Eilmeldung

Eilmeldung

"Erika" - Tankerunfall mit positiven Konsequnzen

Sie lesen gerade:

"Erika" - Tankerunfall mit positiven Konsequnzen

Schriftgrösse Aa Aa

Die Katastrophe der “Erika” lieferte pünktlich zur Jahrtausendwende ein drastisches Beispiel für die negativen Seiten der Globalisierung. Ein 24 Jahre alter Tanker, mit indischer Besatzung unter einer Billigflagge fahrend, gechartert von der in Panama ansässigen Filiale des französischen Ölkonzerns TOTAL war trotz diverser Mängel von einer italienischen Klassifikationsfirma für seetauglich erklärt worden. Dabei nagte der Rost schon heftig an der inneren Struktur des Schiffes. Vor der bretonischen Küste hielt der Schrotttanker den Winterstürmen nicht mehr stand. Die “Erika” zerbrach ein paar Seemeilen außerhalb der französischen 12-Seemeilen-Zone in internationalem Gewässer. Die französische Küste wurde auf einer Länge von 400 Kilometern von Schweröl verseucht. 20 000 Tonnen Schweröl liefen aus. Der Schaden für die Küstenregion war 130 mal so schlimm wie jener nach der bis zu diesem Zeitpunkt schwersten Ölkatastrophe, als 1978 die “Amoca-Cadiz” auf Grund lief. Die Säuberungsarbeiten an der Küste zogen sich über das ganze Jahr 2000 hin. Fischer und Tourismusbranchen verloren eine komplette Jahreseinnahme.
Im Februar 2007 begann endlich der Prozeß.
Angeklagt wurden der indische Kapitän, die Qualitätsprüfer der Firma “Rina”, der Charterer TOTAL und der Schiffseigner, der Italiener
Giuseppe Savarese. Als Nebenkläger traten die geschädigten Regionen Bretagne und Pays de la Loire auf, dazu noch mehrere Küstengemeinden.
Sie verlangten über den Strafprozeß hinauf Schadenersatz. Und sie bekamen Recht. Den Schuldspruch im Januar 2008 kommentierte die Dominique Voynet so: “ Es ist das erste Mal, dass Schaden für die Umwelt als prozeßrelevant anerkannt wird. Und zwar nicht nur unter ökonomischen Gesichtspunkten, sonders auch, weil der Natur ein eigener Wert zugestanden wird. Das ist beispielhaft.”
Es wurden auch europaweit Konsequenzen gezogen.
Seit 2003 gibt es eine europäische Sicherheitsbehörde für die Hochseeschifffahrt.
Für Öltanker wie die “Erika” ist seither die doppelwandige Bauweise vorgeschrieben, sonst dürfen sie keine EU-Häfen anlaufen.