Eilmeldung

Eilmeldung

EU-Kommission: Genmodifizierte Lebensmittel sind sicher

Sie lesen gerade:

EU-Kommission: Genmodifizierte Lebensmittel sind sicher

Schriftgrösse Aa Aa

Vor wenigen Tagen schreckte eine französische Studie über gentechnisch veränderte Lebensmittel auf, nun kommt ein Dokumentarfilm zu dem Thema in die Kinos. “Sind wir alle Versuchskaninchen?”, so der Titel des Streifens von Jean-Paul Jaud. Gezeigt werden unter anderem Ratten mit Tumoren, Nieren- und Leberschäden. Französische Forscher um Gilles-Eric Séralini hatten die Ratten zwei Jahre lang mit der Maissorte NK 603 und mit dem Herbizid Roundup gefüttert. “Die Rattenart, die Séralini bei seinen Versuchen einsetzte, ist ohnehin einem siebzigprozentigen Risiko ausgesetzt, von solchen Krebsgeschwüren befallen zu werden”, gibt Carel du Marchie Sarvaas, Leiter des europäischen Biotechnologie-Verbandes zu bedenken. Der Autor der Studie hingegen weist harsche Kritik zurück: “Eine normale Reaktion wäre vielmehr zu sagen: ‘Mal sehen, ob es wirklich so schlimm ist’, normal wäre auch, genauer hinzuschauen.” Corinne Lepage aus dem Europaparlament, die seit Jahren den Anbau von gentechnisch veränderten Lebensmitteln energisch ablehnt, will das Vertrauen der Verbraucher wiederherstellen und ein völliges Verbot solcher Lebensmittel durchsetzen: “Drittens sollten die Debatten über die Folgen des Einsatzes von Pestiziden zu ganz anderen Entscheidungen als zu jenen führen, die wir bisher haben.” Die inkriminierte Maissorte NK 603 ist in Europa nicht zum Anbau zugelassen. Die Ergebnisse der Studie werden zur Zeit von den zuständigen Behörden in Europa geprüft, auch vom deutschen Bundesamt für Lebensmittelsicherheit.

Darüber sprachen wir mit Paola Testori Coggi, Leiterin der Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucherschutz der Europäischen Kommission.

Euronews:
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit prüft zur Zeit die Studie des französischen Forschers Séralini. Könnten die Ergebnisse stimmen?

Paola Testori Coggi:
Ja, wir haben unsere Behörde für Lebensmittelsicherheit um eine rasche Prüfung gebeten. Zudem forderten wir die Behörde auf, weitere Spezialisten heranzuziehen, um zu einem fundierten Ergebnis zu kommen.

Euronews:
Sind die Fachleute wirklich unparteiisch und unabhängig?

Paola Testori Coggi:
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit verfügt über ein robustes und sehr genaues System zur Auswahl der Gruppe von Sachverständigen. Die einzelnen Gruppen werden ständig erneuert.

Euronews:
Es gab aber auch Interessenkonflikte, es gab Leute, die enge Verbindungen zur Industrie hatten. Es gab mehrere Fälle.

Paola Testori Coggi:
Das gilt für die Vergangenheit, doch das Auswahlverfahren ist seit Beginn des Jahres das strengste der Welt. Die Interessen der Sachverständigen, die für uns arbeiten, werden online veröffentlicht. Wegen Interessenkonflikten wurden 16 Prozent der Kandidaten, die sich bei uns beworben haben, nicht genommen.

Euronews:
Die jüngste französische Studie ist heftig kritisiert worden. Kritisiert die Lebensmittelbehörde ebenso sehr die Studien der Hersteller von gentechnisch veränderten Lebensmitteln, die einen Untersuchungs-Zeitraum von nur neunzig Tagen umfassen? Genügt dieser Zeitraum in Europa?

Paola Testori Coggi:
Die Lebensmittelbehörde prüft Tests gentechnisch veränderter Lebensmittel oder anderer Substanzen. Die Tests selbst aber werden von der Industrie durchgeführt. Wir verschwenden dafür keine öffentlichen Gelder.

Euronews:
Sind sie verlässlich?

Paola Testori Coggi:
Sie sind verlässlich, weil es dafür internationale Regeln gibt. Hat unsere Behörde Zweifel, werden zusätzliche Untersuchungen angefordert. Die Untersuchung gentechnisch veränderter Lebensmittel dauert in Europa durchschnittlich drei bis fünf Jahre, in Einzelfällen sogar sieben bis zehn Jahre.

Euronews:
Wie ist es zu verstehen, dass Tierversuche mit solchen Lebensmitteln drei Monate, mit Pestiziden aber zwei Jahre dauern?

Paola Testori Coggi:
Die Frage, ob 90 Tage genügen oder nicht, steht danach zur Debatte, nach der Prüfung der Studie durch unsere Behörde. Die Frage stellt sich freilich. Zur Zeit aber gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, dass Langzeit-Untersuchungen notwendig sind.

Euronews:
Können Sie die europäischen Verbraucher, unsere Zuschauer dessen versichern, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel, wie es beispielsweise das in Keksen enthaltene Soja-Lezithin ist, ungefährlich sind? Dass der Verzehr von Milch und Fleisch von Tieren, die mit solchen Lebensmitteln gefüttert wurden, die Gesundheit nicht gefährdet?

Paola Testori Coggi:
Ich teile den Bürgern, den europäischen Verbrauchern mit, dass die veränderten Lebensmittel, die auf dem Markt sind, sicher und gesund sind. Zudem wissen die europäischen Verbraucher, ob ein Produkt solche Lebensmittel enthält oder nicht. Noch einmal: Wir sind die einzigen auf der Welt, die die Verbraucher darüber informieren.

Euronews:
Was an die Tiere verfüttert wird, steht allerdings auf keiner Etikette.

Paola Testori Coggi:
Nein, denn wenn das Tierfutter genmodifizierte Lebensmittel enthält, werden diese verdaut. Spuren dieser Lebensmittel finden sich weder in der Milch noch im Fleisch wieder.