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Verliert Frankreichs Wirtschaft den Anschluß?

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Verliert Frankreichs Wirtschaft den Anschluß?

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“Pole emploi” . Das ist die französische Version von “Arbeitsagentur”. Man hat auch auf der anderen Seite des Rheins gelernt, erwas Hässliches hübsch zu bezeichnen. Die immer noch zweitstärkste Volkswirtschaft der Eurozone bringt es bei 65 Millionen Einwohnern auf 3 Millionen Arbeitslose.
Zum Vergleich: Deutschland zählt bei 81 Millionen Einwohnern 3,3 Millionen Arbeitslose.
Fachleute wie der Wirtschaftswissenschaftler Mathieu Plane sehen Frankreich Aussichten pessimistisch. Rt sagt: “Bedauerlicherweise hat aus sozialer Sicht die Krise ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Man muss mit einem weiteren Ansteigen der Arbeitslosigkeit rechnen, vor allem der Langzeitarbeitslosigkeit. Zu beobachten ist, dass immer mehr Menschen, die einmal arbeitslos werden es dann auch bleiben und in die Armut abrutschen”
Seit 2008 sind in Frankreich 280.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Das entspricht erinem Anteil von 9,5 Prozent. Zu tun hat das auch mit einer Industriepolitik, die darauf ausgerichtet ist, den französischen Firmen die Mühen von Reformen, von rechtzeitiger Anpassung an sich verändernde Märkte zu ersparen. Wie im Fall des Autobauers Peugeot zahlt die Regierung für die Fehler der Manager.
Und die Betroffenen? Ein Arbeitsloser erklärt, wie er sich durchmogelt: Er will im Gedspräch seinen Namen nicht nennen. Um sein soziales Umfeld nicht zu verlieren tut er so, als würde er noch arbeiten. Er fürchtet die Schande, als Versager dazustehen, wenn er eingestehen würde, dass er seinen Job verloren hat.
Frankreich hat massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Innerhalb von zehn Jahren sind in Frankreich die Lohnstückkosten um 19 Prozent gestiegen. Und zwar in jenem Jahrzehnt, in dem in Deutschland mit der “Agenda 2010” der Schröder-Regierung der Arbeitsmarkt flexibler gestaltet wurde. Die Pariser Zeitung “Le Monde” schreibt von “unpopulären Maßnahmen”, die Schröder seinem Land aufgezwungen habe, wofür er mit Machtverlust abgestraft wurde. Der französische Präsident Hollande habe jetzt fünf Jahre Zeit und fast alle Machtbefugnisse für die erforderlichen tiefgreifenden Reformen. “Le Monde” wörtlich:
“Hollande hat sie (die Reformen) skiziert und muss sie nun mit Entschlossenheit umsetzen. Aber nicht jeder ist ein Schröder.”