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Flüchtige Momente der Schönheit auf der Tanzbiennale in Lyon

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Flüchtige Momente der Schönheit auf der Tanzbiennale in Lyon

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Vorhang auf für die diesjährige Tanzbiennale in Lyon mit Tänzern aus aller Welt. Die Choreografin Robyn Orlin aus Südafrika zeigt mit ihrer Gruppe “Moving into dance Mophatong” aus Johannesburg die Premiere von: “Beauty remained for just a moment then returned gently to her starting position…” Ein langer Titel, der die kleinen schönen Dinge im Leben meint, die auf den Straßen Johannesburgs zu finden sind.

Choreografin Robyn Orlin: “Es gibt flüchtige Momente der Schönheit, wie eine Frau, die Tomaten verkauft. Oder, wie die Menschen miteinander reden. Diese Menschlichkeit ist wunderschön.”

Die Schönheit eines Sonnenaufgangs, von Wasser, Tieren, Menschen oder vom Tanzen. Afrika ist im Stück allgegenwärtig: in der Musik, den Rhythmen. Obwohl alles leicht und verspielt aussieht, haben die Tänzer einen harten Job: “Bevor wir auftreten, liest sie uns ihre Mitschrift vor: Du musst offen sein für alles. Fünf Minuten vor dem Auftritt probiert sie letzte Änderungen und Neues aus. Von dir wird erwartet, dass du sie auf der Bühne umsetzt, ohne zu wissen, ob es klappt und ob du dich damit wohlfühlst. Deswegen musst du immer offen sein für alles”, erzählt Muzi Shili.

19 Stücke, darunter 15 Premieren, stehen auf dem Programm der Biennale 2012. Getanzt, gesungen und gespielt wird in Theatern in und um Lyon. Außerdem können Tanzfans Tänzer und Choreografen im Café Danse treffen, um über die letzte Aufführung zu schwärmen – wie Schwanensee inszeniert von Dada Masilo, eine weitere Choreografin und Tänzerin aus Johannesburg. Sie sagt: “Ich war sehr erstaunt, als ich erfuhr, dass manche Schwäne homosexuell sind und dass Tschaikowsky homosexuell war. Also wurde das zu meinem Leitmotiv. Und dann habe ich mir gedacht, anstatt zwei Frauen um einen Mann streiten zu lassen, warum sollten sich nicht ein Mann und eine Frau um einen Mann streiten? Das nur, um dem Stück eine überraschende Wendung zu geben.”

Sie lässt ihre Tänzer in Tutus auftreten: “Sie tragen alle Tutus! Ich liebe Tutus. Ich bin verrückt nach ihnen. Deswegen habe ich mir gedacht: Alle sollen Tutus anziehen! Und ihnen hat es nichts ausgemacht; sie lieben ihre Tutus.”

Tutus: das Symbol für klassisches Ballett schlechthin. Doch die anderen Zugaben, mit denen Dada Masilo Tschaikowskis Schwanensee aufmischt, sind eher ungewöhnlich: Afrikanische Musik, Tanzschritte und Rituale schleichen sich in das rund 130 Jahre alte Ballett hinein: “Traditionelle afrikanische Hochzeiten sind was Verrücktes: Die Menschen singen und rufen durcheinander. Und dann kommen ein paar alte Frauen und geben der Braut gute Ratschläge über die Ehe. Ich wollte diese traditionellen afrikanischen Hochzeiten in die klassische Welt verfrachten”, erklärt Dada Masilo.

Die Tanzbiennale zeigt noch bis zum 30. September Balletts und Tanztheater in und um Lyon. Die nächste Gelegenheit gibt es erst wieder 2014.