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Tunesien: Justiz verfolgt mutmaßliches Vergewaltigungsopfer

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Tunesien: Justiz verfolgt mutmaßliches Vergewaltigungsopfer

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In Tunesien hat zum erstenmal eine Frau Polizisten angezeigt, die sie vergewaltigt haben sollen. Die Justiz drehte den Spieß um: Jetzt geht sie gegen die 27jährige und ihren Verlobten vor.
 
Das Paar war Anfang September in einem Vorort von Tunis im Auto von drei Polizisten aufgegriffen und festgenommen worden.
 
Nach Angaben des Mannes verlangten sie von ihm Geld, legten ihm Handschellen an und vergewaltigten die Frau hinter dem Auto.  
 
Emna Zahrouni, Anwältin der Frau:
  
“Die Untersuchung lief. Wir waren überrascht, zu erfahren, dass jetzt gegen die Frau und ihren Verlobten ermittelt wird, wegen unanständigen Verhaltens in der Öffentlichkeit.”
 
Mögliche Strafe: Sechs Monate Haft.
 
Die Übergriffe von Polizisten auf Frauen hätten zugenommen, seit die islamistische Partei Ennahda im Oktober 2011 an die Regierung gekommen sei, so die Anwältin.
 
Man müsse die Tatbestände auseinanderhalten, sagt ein Sprecher des Justizministeriums, Fadel Sayhi:
 
“Nach ihren Akten ist die Frau ein Opfer vergewaltigt von Polizisten. Aber das mindert ihre Verantwortung nicht für unanständiges Verhalten in der Öffentlichkeit.“ 
 
Tunesiens Personenrecht gilt seit 50 Jahren als das modernste in der arabischen Welt.
 
Die Frau will die Anzeige nicht fallenlassen.
 
Der nächste Gerichtstermin ist Anfang kommender Woche.
 
Im August hatten Frauen gegen das Vorhaben der islamistisch geführten Regierung protestiert, ihre Verfassungsrechte zu ändern.
 
 
Mit AFP