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Erst zahlen, dann beten - Deutschlands Christen diskutieren über Kirchensteuer-Urteil

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Erst zahlen, dann beten - Deutschlands Christen diskutieren über Kirchensteuer-Urteil

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Taufe, kirchliche Trauung oder Beerdigung – wer das in Deutschland von den beiden großen christlichen Kirchen will, muss auch Kirchensteuer zahlen, so das Bundesverwaltungsgericht in einem Grundsatzurteil. Der Fall: Der Freiburger Kirchenrechtler Hartmut Zapp war vor fünf Jahren aus der katholischen Kirche als “Körperschaft des öffentlichen Rechts” ausgetreten, verstand sich aber trotzdem als gläubiger Katholik.

Das muss möglich sein, so Magnus Lux von der kritischen katholischen Reformbewegung “Wir sind Kirche”:

“2006 hat der Rat für die Auslegung der Gesetzestexte eindeutig festgestellt, dass der Austritt vor der staatlichen Institution nicht genügt um als einer zu gelten, der vom Glauben abgefallen ist. Und diese Unterscheidung, die ist ganz wichtig. Die Bichöfe werden sich nicht darauf berufen können, dass nach deutschem Recht der Austritt aus der Kirche gleichzeitig auch der Austritt aus der Religionsgemeinschaft ist.”

Die Diskussion geht nach dem Urteil offenbar erst richtig los.

2011 nahmen die beiden großen Kirchen 9,3 Milliarden Euro an Steuern ein – für manche selbstverständlich.

David Brehler, Katholik aus München:

“Wer diese Verbindung nicht versteht – Glaube und Solidarität – der hat sich ohnehin schon verabschiedet von der Kirche. Die ganzen Leute, die austreten aufgrund der Kirchensteuer, die kann ich auch nicht verstehen. Also entweder ich glaube, ich gehöre dazu, ich bin Mitglied dieses Clubs hier, der Kirche – und dann tu ich auch was dafür, dann engagiere ich mich. dann setze ich mich ein und so weiter.”

Die katholischen deutschen Bischöfe hatten unlängst – bestätigt vom Vatikan – unmissverständlich klargestellt: Wer austritt, müsse die Folgen tragen.
Das sagt auch die evangelische Kirche, allerdings mit etwas mehr Ermessensspielraum für den örtlichen Pfarrer.

Mit AP, dpa