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Patriarchat zu Pussy Riot: Kehret um!

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Patriarchat zu Pussy Riot: Kehret um!

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Das Moskauer Stadtgericht entscheidet an diesem Montag über die Berufung der drei jungen Künstlerinnen der Punkband “Pussy Riot”. Sie sind wegen Rowdytums aus religiösem Hass
zu je zwei Jahren Straflager verurteilt.

Im Vorfeld hat die russisch-orthodoxe Kirche eine Art Deal vorgeschlagen: Die Kritikerinnen von
Kremlchef Wladimir Putin tun Buße. Diese Einsicht werde dann hoffentlich auch das Urteil des Gerichts beeinflussen, so die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Moskauer Patriarchats.

Violetta Volkova, Anwältin von Pussy Riot :

“Die Hoffnung stirbt zuletzt. Hoffnung auf den gesunden Menschenverstand und darauf, dass das Gericht in Übereinstimmung mit dem Gesetz handelt. Aber so wie die politische Lage in Russland im Moment ist, können wir einen gesetzestreuen Spruch nicht unbedingt erwarten.”“

Die drei von Punkmusikerinnen Nadeschda Tolokonnikowa (22), Maria Aljochina (24) -beide Mütter kleiner Kinder – und Jekaterina Samuzewitsch (30) hatten im Februar in der
Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau mit einem
Punkgebet gegen eine Rückkehr von Wladimir Putin in den Kreml protestiert. Mehrere Mitglieder von Pussy Riot sind untergetaucht.

Wladimir Legoida, Pressesprecher des Patriarchats von Moskau:

“Solche Aktionen verletzen die Gefühle der Gläubigen. Sie verdienen eine Bestrafung und müssen geahndet werden. Aber das Ziel von Strafe ist ein verändertes Verhalten. Wenn also die Verurteilten Worte der Reue und des Umdenkens finden, wünschen wir uns, dass das berücksichtigt wird.”

Vier von fünf Russen meinen, die drei sollten bestraft werden. Mehr als die Hälfte findet aber, mit höchstens zwei Jahren sollte es gut sein.

Wegen der schrillen Aktion soll in der Staatsduma demnächst ein Gesetz verabschiedet werden, das Verletzung religiöser Gefühle als Verbrechen einstuft. Vorgesehen sind bis zu drei Jahre Haft für Gotteslästerer und bis zu fünf Jahre für die Beschädigung von Heiligtümern.

mit dpa, AFP, Reuters