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Überraschung über Aufschub im "Pussy Riot"-Berufungsverfahren

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Überraschung über Aufschub im "Pussy Riot"-Berufungsverfahren

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Kaum hatte sie begonnen, ist die Berufungsverhandlung der drei inhaftierten “Pussy Riot”-Sängerinnen in Moskau vertagt worden. Das Gericht will nun am 10. Oktober entscheiden, ob die Verurteilung der Frauen zu je zwei Jahren Lagerhaft wegen eines Putin-kritischen Punk-Spektakels in einer Kirche rechtmäßig war. Grund für den Aufschub ist, dass eine der drei ihre Anwältin auswechseln wollte, weil sie mit deren Position nicht mehr übereinstimme.

Selbst die Verteidiger zeigten sich überrascht vom Wunsch der Mandantin. Einer von ihnen sprach über Versuche der Regierung, einen Keil zwischen die drei Frauen zu treiben. “Sie übt von unterschiedlichen Seiten her Druck auf sie aus, schickt Behördenmitarbeiter zu ihnen, droht, ihnen ihre Kinder wegzunehmen, und versucht Ähnliches über Verwandte, Freunde und die Anwälte. Sie sucht nach den Schwachstellen.” Zwei der Frauen haben kleine Kinder.

Am Gericht demonstrierten Unterstützer wie Gegner der drei Putin-Kritikerinnen. Die Polizei, die im Großaufgebot erschienen war, nahm mehrere Demonstranten fest.

Die Verteidigung sieht wenig Chancen auf einen Freispruch, hofft aber auf eine mildere Strafe. Eine Justizsprecherin mutmaßte, die Verurteilten wollten den Prozess hinauszögern – und damit die Überstellung ins Arbeitslager mit härteren Haftbedingungen.