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US-Wahl: Wem vertrauen die Frauen?

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US-Wahl: Wem vertrauen die Frauen?

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Wer glaubt, die Wirtschaft würde die Präsidentschaftwahl in den USA entscheiden, liegt falsch. Es sind die Frauen. Zwei Drittel der 160 Millionen Amerikanerinnen dürfen abstimmen, sie sind damit die größte Wählergruppe in den Staaten. Dabei stehen die meisten Frauen Amtsinhaber Barack Obama nahe. Männer sind weit unentschlossener. Die Ursachen dafür sind ganz unterschiedlich.

Ein Grund ist der wirtschaftliche Aspekt, so die Politikwissenschaftlerin Jennifer Lawless. “Im Schnitt verdienen Frauen 77 oder 78 Cent pro jedem Dollar, den ein Mann verdient. Wenn wir also über den wirtschaftlichen Status von Frauen sprechen und ihn mit dem der Männer vergleichen, dann überrascht es nicht, dass Frauen eher die Demokraten unterstützen, während Männer eher den Republikanern nahestehen.”

Soziales, Kinder, Gleichberechtigung und Gesundheit – das sind Themen, die Frauen interessieren. Entsprechend haben die Wahlkampfstrategen aller Kandidaten ihre Werbekampagnen zugeschnitten. In einem Spot von Obamas Seite heißt es unter anderem: Die Republikaner machten keine frauenfreundliche Politik. Abtreibung etwa würden Kandidat Mitt Romney und sein designierter Vize Ryan selbst bei Inzest oder nach einer Vergewaltigung ablehnen.

Lawless: “Es geht um die Definition von Vergewaltigung. Es geht darum, ob Verhütungsmittel frei verfügbar sein sollen – und 99 Prozent aller Frauen sagen, sie haben mindestens einmal verhütet. Ich denke, bei dieser Wahl geht es um den Status Quo versus Rückschritt, wenn man für Mitt Romney ist, oder um Fortschritt, wenn man für Barack Obama ist – zumindest, was die gesellschaftliche und politische Gleichheit und Selbständigkeit von Frauen angeht.”

Auch Romneys Republikaner haben eigene Frauenspots lanciert. Darin heißt es, Obamas Politik habe unter anderem zu einer höheren Arbeitslosigkeit und zu mehr Armut unter Frauen geführt. Romney weiß, dass er bei Amerikas Wählerinnen einen schweren Stand hat. Und es ist fraglich, ob seine Kampagne daran etwas ändern kann.

Karen Tumulty von der Washington Post sagt: “Ich denke, die Frauen werden diesmal für Barack Obama stimmen, die Frage ist nur, wie viele. Sollten es mehr als 53, 54 oder 55 Prozent sein, dann ist die Wahl gelaufen, denke ich.”

So geht es für Obama und Romney also nicht nur um vermeintliche Männerthemen wie Schulden, Autos, Militär. Wer die Wahl gewinnen will, muss zunächst Herz und Verstand der Frauen im Land gewinnen.

euronews-Korrespondent Stefan Grobe: “Dank der weiblichen Wähler hat Barack Obama derzeit einen gewissen Vorsprung in den Umfragen, und zwar bundesweit als auch in den sogenannten Swing States. Obama mag ein wenig von seiner Magie eingebüßt haben, doch die Frauen vertrauen im immer noch mehr als Mitt Romney.”