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Vergewaltigungsopfer wegen Sittlichkeitsvergehen am Pranger

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Vergewaltigungsopfer wegen Sittlichkeitsvergehen am Pranger

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Ein Vergewaltigungsfall bringt Tunesien in Aufruhr: Eine Frau, die Anfang September von zwei Polizisten vergewaltigt worden sein soll, steht nun selbst am Pranger wegen unsittlichen Verhaltens. Sie sei zuvor von den Polizisten mit ihrem Freund im Auto in einer “unmoralischen Position” erwischt worden, sagt die Justiz. Die Frau wurde an diesem Dienstag dem Untersuchungsrichter vorgeführt, der entscheidet, ob sie für Sittlichkeitsvergehen mit ihrem Verlobten angeklagt wird.

“Plötzlich kam die Polizei”, erzählt die 27-Jährige, “öffnete die Autotür und führte meinen Verlobten weg. Mich brachten sie in den Polizeiwagen. Und dann verhandelten sie mit meinem Verlobten, der eine Polizist fragte: Was können Sie uns geben? Danach fuhren zwei Polizisten mit mir weg, der eine fuhr, der andere vergewaltigte mich. Sie haben mich eine Stunde und fünfzehn Minuten lang während der Fahrt vergewaltigt. Danach kamen wir wieder zu unserem Auto mit meinem Verlobten, und sie drohten, dass sie uns ein Sittlichkeitsverbrechen anhängen und dass wir dafür Jahre ins Gefängnis gehen. Und der Polizist fragte wieder, was wir zahlen.”

Die Polizisten wurden festgenommen, ihnen drohen harte Strafen. Dass das mutmaßliche Opfer möglicherweise angeklagt wird, bringt Nichtregierungsorganisationen und Bürger auf den Plan. Auch heute demonstrierten aufgebrachte Frauen und Männer vor dem Gerichtsgebäude, in dem die Frau verhört wurde: “Wir glaubten an unsere Freiheit, aber die Frau wurde vergewaltigt, als sie draußen unterwegs war. In solchen Zeiten leben wir.”

Die Regierung betont, auch ein Opfer müsste für seine eigenen Vergehen bestraft werden. Die Kritiker klagen hingegen über zunehmende Gängelung der Frauen, inbesondere durch die Polizei, seit die Islamisten an die Macht kamen.