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Wer ist Bidsina Iwanischwili?

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Wer ist Bidsina Iwanischwili?

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Wird er Georgiens nächster Ministerpräsident?
Bidsina Iwanischwili, der aus Trotz gegenüber der Staatsmacht nicht wählen gegangen ist, dem vor zwei Jahren die georgische Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, bevor sein Parteienbündnis die Parlamentswahl gewann?

Er steht an der Spitze einer Koalition, die sich “Georgischer Traum” nennt. Sie vereint mehrere oppositionelle Gruppen, die die Regierung seit Jahren kritisieren. Ohne Erfolg. Als er sie gründete, war das für alle eine Überraschung; niemand kannte ihn.

Wer ist er wirklich, dieser Mann, der sich auf den Anhöhen von Tiflis ein futuristisches Haus errichtet hat, genau gegenüber vom Präsidentenpalast?

Iwanischwili ist ein früherer russischer Oligarch und der reichste Mann Georgiens. Sein geschätztes Vermögen beläuft sich auf 6,4 Milliarden Dollar.

Iwanischwili wurde in eine arme Bauernfamilie hineingeboren, Anfang der 80er Jahre ging er nach Russland. Dort erarbeitete er sich ein großes Vermögen in der Chefetage einer Bank.

Als Putin an die Macht kam, verließ er Russland und siedelte nach Frankreich über, wo er sich einbürgern ließ.

Ein Jahr später brach in Georgien die Rosenrevolution aus. Ganz vorn dabei ein noch junger Micheil Saakaschwili, der die Regierung Schewardnadse vom Thron stieß.
Iwanischwili kehrte nach Georgien zurück, wo er damals in den Kulissen die Strippen gezogen haben will.

Seinen Worten nach habe er die großen Reformen mitfinanziert, die nach der Rosenrevolution folgten. Er will Beamtengehälter bezahlt und insgesamt 1,6 Milliarden Dollar in Georgien gesteckt haben. Eine Geschichte, die Saakaschwili mit den Worten “alles Unsinn!” abtut.

Eins ist jedoch sicher: Als der Skandal über die Misshandlungen von Strafgefangenen in georgischen Gefängnissen an die Öffentlichkeit drang, war es seine Fernsehanstalt, die die Berichte sendete. Eine Affäre, die zwei Wochen vor der Parlamentswahl hohe Wellen schlug und das Image der Regierung Saakaschwili stark ankratzte.

Iwanischwili kündigte bereits an, nicht länger als zwei Jahre an der Macht zu bleiben. Er träume davon, sein Land ähnlich wie auch schon sein Heimatdorf zu modernisieren, wo er wie ein mittelalterlicher Lehensfürst auftrittt.

Was Europa oder die NATO betrifft, bleibt er recht vage. Den Kritikern, die ihn vergeblich als russischen Überläufer bezeichnen, antwortet er, er habe zwar alle seine Aktien in Russland verkauft. Allerdings sei es seine Priorität, die wirtschaftlichen Bande mit Moskau wiederherzustellen.