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Heilung per Mausklick: Eine Rechnung, die selten aufgeht

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Heilung per Mausklick: Eine Rechnung, die selten aufgeht

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In seiner bisher größten weltweiten Operation hat Interpol dem illegalen online-Handel von Medikamenten den Kampf angesagt: “Pangea V” dauerte eine Woche, bezog hundert Länder mit ein und erbrachte illegale Arzneien im Wert von fast acht Millionen Euro.

Die Verantwortliche bei Interpol Aline Plançon erklärt, “mehr als 20 000 illegale Apotheken wurden dicht gemacht. Es wurden weit über 3 Millionen Medikamente beschlagnahmt. Über 80 Verhöre finden noch statt und 70 Menschen wurden festgenommen.
Beim illegalen online-Handel mischt sicher auch das organisierte Verbrechen mit. Es handelt es sich um grenzüberschreitende Verbrecher, die auf vielen Kontinenten gut organisiert sind.”

“Pangea” ist ein Einsatz, bei dem Zoll, Gesundheitsbehörden, die nationale Polizei und der private Sektor zusammenarbeiten. In diesem Jahr waren fast 150 Einrichtungen weltweit involviert, 130.000 Pakete wurden untersucht.
Die beschlagnahmten Pillen werden noch analysiert. Gewöhnlich sind sie falsch dosiert. Oder der Wirkstoff dient einem anderen Zweck. Oder das Medikament enthält hoch giftige Substanzen wie Rattengift.

Der Chef der britischen Gesundheitsbehöre MHRA Arthiqur Rahman Meah warnt, “wenn die Menschen die dreckigen Verhältnisse sehen könnten, unter denen diese Pillen hergestellt, gelagert oder transportiert werden, würden sie sie nicht anrühren.”

Mehr als 90 Prozent der Apotheken im Internet sind nach wie vor illegal. Trotzdem: Billige Arzneien ohne vorherigen Arztbesuch sind immer noch attraktiv für viele Patienten. 10 Prozent der Europäer geben zu, Medikamente auch online zu bestellen.

Claire aus Lyon begründet, ihr Medikament habe es in Frankreich nicht gegeben. “Für mich hat das keinen Unterschied gemacht, ob ich nun im Internet bestelle oder das Produkt in einer Apotheke im Ausland kaufe,” meint sie.

Claire hatte Glück. Denn viele online-Opfer bezahlen den Handel mit ihrem Leben. Wie Chad, der nicht krankenversichert war und sich billige Medikamente im Internet besorgte. Er erlitt einen Herzinfarkt und starb mit 35 Jahren im Krankenhaus. Seine Erfahrungen wurden von Interpol nachgestellt.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker – aber nicht den virtuellen.