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Nach TV-Duell: Romney hatte Nase vorn

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Nach TV-Duell: Romney hatte Nase vorn

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Es war das erste Fernsehduell zwischen den Kandidaten der amerikanischen Präsidentschaftswahl – und ein erster Sieger steht fest: Der Republikaner Mitt Romney. Nach schwierigen Wochen ein positiver Neustart für ihn. Amtsinhaber Barack Obama hingegen wirkte nicht in Höchstform.

Die beiden Politiker haben ihre Unterschiede wie in der Wirtschaftspolitik klar hervorgehoben.

Obama erklärte, “meiner Meinung nach funktioniert die Wirtschaft am besten, wenn die Familien der Mittelklasse Steuererleichterungen bekommen.
Und die von uns, denen es sehr gut geht, können etwas mehr zahlen, damit wir das Haushaltsdefizit nicht überstrapazieren.”

Sein Herausforderer forderte, “mein oberstes Prinzip lautet, es wird keine Steuereinschnitte geben, die sich dann auf das Defizit auswirken. Aber ich will die Last verringern, die die amerikanische Mittelklasse zahlt. Um das zu schaffen, kann nicht auch noch die Last reduziert werden, die die einkommensstarken Amerikaner zahlen.”

Der Kandidat der Republikaner habe die Gelegenheit ergriffen, die Wähler zu überzeugen, dass er für das Präsidentenamt bereit sei. Das sieht zumindest Michael Senders vom Baruch College in New York so. Er meinte, “ich war sehr beeindruckt von Gouverneur Romneys Auftreten. Im Gegensatz zu anderen hat mir sein aggressiver Ansatz gefallen; die Art, wie er die Ideen und Themen der Gegenseite attackiert hat.”

Enttäuschung hingegen bei vielen Anhängern Obamas, wie bei College-Studentin Camille O’Brien. “Präsident Obama ist immer ein guter Redner. Er hätte heute echt besser sein können,” meinte sie. “Ich bin sein Fan, mir gefällt der Großteil seiner Politik. Er wirkte irgendwie nervös und hätte sich fast von einigen Fragen aus der Bahn werfen lassen. Er schien sich von Mitt Romney überrumpeln zu lassen.”

Obama habe zwar nicht die Massen in seinen Bann gezogen. Aber nach Meinung vieler Politikwissenschaftler war es auch keine Niederlage für ihn, die seine Wähler dazu bringt, das Lager zu wechseln.

Adrian Lancashire, Euronews:
ABC-Nachrichten-Anchor Christiane Amanpour, wir wollen über das erste TV-Duell im amerikanischen Wahlkampf sprechen. Wie schätzen Sie den Trend bei den Amerikanern ein: Was Persönlichkeit und Ideen betrifft, konnten die Kandidaten ihre Wähler erreichen?

Christiane Amanpour, ABC-Journalistin:
Auf einigen Gebieten ja, auf anderen nicht. In groben Zügen zeigen die vorliegenden Analysen Romney als Gewinner des ersten Fernsehduells. Dem zufolge, was ich gehört und gesehen habe, hat Romney bei etwa zwei Dritteln der Fernsehzuschauer punkten können. Das ist wichtig für Romney, denn gestern Abend ging es bei ihm um alles oder nichts. Bisher gelang es ihm nicht besonders erfolgreich, die Wähler zu erreichen. Deshalb jubeln die Republikaner im ganzen Land nach dem Auftritt ihres Kandidaten bei der Fernseh-Debatte.

Euronews:
Hat Romney Sympathiepunkte sammeln können oder hat er eher mit Kompetenz überzeugt? Einer Beschreibung zufolge war er “energisch”.

Amanpour:
“Energisch” trifft es meiner Meinung nach ziemlich genau. Bei mir ist seine Körpersprache hängen geblieben.
Denn nach den vielen Worten bleiben unterm Strich nur wenige Details hängen, die den einen Kandidaten vom anderen unterscheiden.
Doch was das Zuschauen betrifft – und Fernsehen ist natürlich ein visuelles Medium, deswegen sind diese Debatten ja so bedeutend, um zwischen dem Kandidaten und den Wählern eine Verbindung zu schaffen, – also beim Zuschauen erschien Romney energischer und dynamischer. Er zeigte Einsatz mit Worten und mit seiner Körpersprache.

Euronews:
Obama wird auch “der Professor” genannt. War er ausreichend angriffslustig?

Amanpour:
Den vorliegenden Umfragen zufolge war er das nicht. Diese Dinge spiegeln sich sofort in den Ergebnissen wider. Dann werden wir sehen, wie sich alles einpendelt und sich die Werte nach den nächsten Debatten weiterentwickeln.

Euronews:
Hatte die Debatte größere Auswirkungen bei Frauen, Männern, Afro-Amerikanern, weißen Wählern oder Latinos?

Amanpour:
Die Folgen werden sich alle noch zeigen. Aber was die Frauen betrifft: Das Wort wurde kein einziges Mal in der ganzen Debatte erwähnt. Das hat einige Frauen geärgert. Vor allem, wenn Sie sich Berichte ansehen vor dem Austragungsort. Die meisten Menschen da draußen waren Frauen, die Plakate hoch hielten und skandierten, ihre Rechte stünden nicht zur Diskussion und sollten gewahrt werden. Die wurden bisher weder vom Moderator noch von den Kandidaten insbesondere Präsident Obama angesprochen. Hier gibt es also eine Enttäuschung zu verzeichnen. Andererseits lag Obama bisher landesweit gesehen bei den Frauen in Führung.
Analysten zufolge hat Romney das Duell gewonnen.
Bei den Interessensgruppen müssen wir weiter abwarten, das wird sich noch herausstellen.
Hier handelt es sich um ein erstes TV-Duell. Das war sehr, sehr wichtig. Zwei folgen noch, und wir werden ihre Ergebnisse genau verfolgen.