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Unser täglich Erdöl: Nachhaltig teuer

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Unser täglich Erdöl: Nachhaltig teuer

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Der weltweite Wirtschaftsabschwung hat alle Bereiche getroffen, und damit auch den Energiesektor. Dessen Hauptanliegen ist dieser Tage die Nachhaltigkeit, und genau darum ging es beim Kazenergy Forums in Astana. Die immer schwierigere Versorgung mit Öl bei gleichzeitig steigender Nachfrage zwingt die Regierungen allerorts dazu, neue Strategien zu finden. Laut dem Weltenergierat wird sich der globale Energiebedarf bis 2050 verdoppeln.

Renato Bertani, Präsident des World Petroleum Councils (WPC): “Die Ölpreise sind heutzutage einfach anhaltend hoch. Das liegt daran, dass Öl weiterhin unsere wichtigste Energiequelle bleibt, zumindest in den kommenden paar Jahrzehnten. Die Nachfrage steigt, und wir werden noch mehr Öl finden müssen in Gegenden, in denen das immer schwieriger, komplexer und teurer wird.”

Eines der größten und aufwendigsten Projekte aller Zeiten entsteht in Kasachstan. Kashagan gilt als größtes neu entdecktes Ölfeld seit den 1960erjahren. Die Erschließung ist allerdings in Verzug, wegen überhöhter Kosten und technischer Probleme. Doch nun soll der erste große Export im kommenden Jahr über die Bühne gehen.

Timur Kulibajew, Chef des kasachischen Energieverbands Kazenergy: “Das Kashagan-Feld ist ist geologischer Hinsicht sehr komplex. Das liegt unter anderem am hohen Untergrunddruck, am Gas, am Schwefelwasserstoff. Wir haben eigens für Kashagan eine neue Gaseinpressungstechnik entwickelt. Für diese nutzen wir neue Hochdruckkompressoren. Wir haben diese Technik bereits in den Ölfeldern Tengiz und Karachaganak eingesetzt, und jetzt wenden wir sie eben auch erstmals in Kashagan an.”

Kashagan gehört zu Teilen den Ölunternehmen Eni, Exxon, Mobil, Royal Dutch Shell, Total und Kasachstans Kazmunaigas. Die westlichen Konzerne wollen ihre Verträge verlängern. Auch ihren Berechnungen zufolge werden die Ölpreise nicht mehr sinken.

Michel Borrel, Vize-Präsident Total für Europa und Zentralasien: “Unsere Entwicklungen stellen ein Unternehmen wie Total vor immer größere Herausforderungen. Die Finanzseite benötigt einen Gas- und Ölpreis, der sich auf einem angemessenen Niveau hält, damit die notwendigen Planungen für die Zukunft vorgenommen werden können. Mit angemessen meinen wir einen Preis von rund 100 Dollar pro Barrel, um unser Ölgeschäft langfristig wirtschaftlich zu gestalten.”

Während die Firmen die Ölpreise abzuschätzen versuchen, wollen Energieexperten die Investitionen voraussagen, die für die Veränderungen in diesem Industriezweig notwendig sind.

Christoph Frei, Generalsekretär des Weltenergierats: “Es gibt einen enormen Bedarf an Investitionen, wir sprechen hier von 30 Billionen Dollar in den kommenden Jahrzehnten. Das umfasst Investitionen in Technologien, in die Qualifikationen, Kompetenzen, die Ausbildung der Mitarbeiter. Das ist eine gute Gelegenheit, um die globale Wirtschaft neu in Schwung zu bringen.”

Diese Veränderung des Energiesektors ist gerade für Europa von besonderer Bedeutung.

Jose Maria Aznar, Spaniens Ex-Regierungschef: “Wir Europäer hängen enorm von Energie ab. Wir müssen unseren Energiemarkt ganz klar ausdefinieren, denn das ist in politischer Hinsicht eine ernstzunehmende Schwachstelle, unsere Abhängigkeit von Energie.”

euronews-Korrespondentin Oleksandra Vakulina: “Die Teilnehmer des Forums haben auch über das Schiefergas in den USA gesprochen, das den Energiesektor in Teilen umwälzen könnte. Sollte es ähnliche Umwälzungen im Ölsektor geben, könnten die Kosten hoch, die Gewinne aber noch viel höher sein. Die Frage ist: Wer wird sie einstreichen?”