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Urteil gegen Spitzel im Vatikan

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Urteil gegen Spitzel im Vatikan

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Paolo Gabriele, der frühere Butler des Papstes: Er ist das schwarze Schaf, das seinem Hirten mehr als eintausend Dokumente gestohlen hat.

Sechs Jahre lang, von 2006 bis zum Mai diesen Jahres, half er Benedikt XVI: Vom Ankleiden am Morgen bis zum Einschlafen am Abend war Gabriele an dessen Seite.

“Paoletto”, wie er von seinem Chef genannt wurde, gehörte zum engsten Kreis um den Pontifex. Er hatte Zugang zum päpstlichen Büro und somit zu den vertraulichsten Dokumenten. Davon waren einige so geheim, dass sie nach dem Lesen vernichtet werden sollten – auf Befehl des Papstes.

Der direkte Vorgesetze des Butlers, der päpstliche Privatsekretär Georg Gänswein, hatte die ersten Zweifel: Bei “Il Corvo” – dem Raben, der Dokumente entwendet, müsse es sich um Gabriele handeln.

Die brisanten Papiere waren im Mai im Enthüllungsbuch des italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi erschienen. Es bestand kein Zweifel daran, dass sie aus der Wohnung des Papstes stammten. Vier Tage später wurde Gabriele abgeführt.

Schnell stürzte sich die italienische Presse auf den Skandal: Sie spekulierte, dass es noch weitere Spitzel gebe. Ein Machtkampf tobe in der Kurie.

Es folgte das Dementi des Vatikans, die Spekulationen wurden als unbegründete Fantastereien abgetan. “Das ist alles falsch,” beschwichtigte Sprecher Federico Lombardi. “Wir müssen uns auf den Kern dieser Angelegenheit konzentrieren, was schmerzhaft ist. Wir müssen objektiv und maßvoll bleiben.”

Vier Monate später wollte der Vatikan die Angelegenheit schnell hinter sich bringen. Der Prozess gegen Gabriele dauerte nur eine Woche.
Und selbst wenn das Verfahren transparent ablief – eine Premiere für den Vatikan -, so wurden doch nicht alle Fragen beantwortet. Wind in den Segeln derer, die hinter dem Verfahren nur ein Verschleierungsmanöwer für einen noch größeren Skandal vermuten.