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Friedensnobelpreis: Lob, Kritik und viele Fragen

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Friedensnobelpreis: Lob, Kritik und viele Fragen

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Die Reaktionen der Europäer auf den Friedensnobelpreis sind gespalten. Auf dem Sozialnetzwerk Twitter häufen sich Lob, Kritik und entscheidende Fragen. Wer bekommt das Preisgeld? Wer wird die Auszeichnung abholen? Und vor allem, hat die EU den Preis überhaupt verdient?

Ein Passant in Berlin sagte: “Wir haben schon seit 1945 keinen allzu großen Krieg in Europa und ich denke die EU war daran beteiligt, dass das so geblieben ist, wie es heute ist.” Ein anderer Mann hingegen meinte: “Das weiß ich auch nicht, warum die den bekommen haben. So toll sind die auch nicht für den Frieden eingetreten. Und da gibt es sicher andere Menschen, die den eher verdient hätten.”

In seiner Begründung ist das Nobelpreiskomitee auch auf die deutsch-französische Freundschaft eingegangen. In Paris sind manche Menschen enttäuscht von der Entscheidung, andere stehen voll dahinter: “Wenn die Menschen in der Vergangenheit die Idee einer Einheit links liegen gelassen haben, war immer der Weg frei für Nationalismus und für extreme Parteien, deren Politik in den Krieg führte. Dieser Friedensnobelpreis geht an eine Union, die mehr als 65 Jahre lang für Frieden auf unserem schönen Kontinenten gesorgt hat. Das ist eine schöne Sache.” Yannick indes sagte: “Der Nobelpreis ist symbolisch und es wäre besser ihn einem Menschen und nicht einer Institution zu geben, unabhängig davon was diese für den Frieden getan hat.”

In Madrid feiern die Spanier ihren Nationalfeiertag. Freude über die Nachricht aus Oslo kommt angesichts der Wirtschaftskrise nur schwer auf:
“Die EU hat den Preis nicht verdient. Sie hat zum Beispiel nichts für den Frieden in Syrien getan.” Oder: “Die EU bekommt den Friedensnobelpreis, doch ich habe deswegen noch lange nichts zu essen. Ich habe nichts davon.”

Auch im von Krise und Sparplänen gebeutelten Griechenland fallen die Reaktionen eher skeptisch aus. Viele sagen, die gepriesene Einheit der EU sei schon längst zerbrochen: “Was für eine Einheit denn? Bei all der Ungleichheit zwischen den Staaten und den nördlichen Ländern, die die südlichen Länder hassen?” Und eine Lehrerin sagte:
“Die EU hat nicht zur Stabilität beigetragen, denn wenn das der Fall wäre, wären wir nicht in diesem Schlamassel.”

Das Komitee in Oslo hat der Europäischen Union unter die Arme gegriffen. Jetzt ist es an Brüssel diesen Friedensnobelpreis zu nutzen.