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Tankerunglück "Prestige" - Chronik einer vermeidbaren Katastrophe

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Tankerunglück "Prestige" - Chronik einer vermeidbaren Katastrophe

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Am 13. November 2002 wurde der alte Tanker mit dem unpassenden Namen “Prestige” im Sturm vor der spanischen Atlantikküste leckgeschlagen.
Das Schiff vom heute nicht mehr erlaubten einwandige Bautyp transportierte 77 Millionen Tonnen Schweröl. Kurz zuvor hatte eine amerikanische Klassifikationsgesellschaft die Betriebserlaubnis für den altersschwachen Tanker verlängert. Es hätte alles nicht so schlimm werden müssen, wenn das Schiff schnell in einen sicheren Hafen geschleppt worden wäre. Statt dessen irrte der Havarist noch sechs Tage übers Meer, weil jeder Regionalpolitiker oder Bürgermeister aus Angst um seinen Küstenabschnitt die Hafenzufahrt verweigerte. Am 19. November um 8 Uhr morgens brach der alte Kasten auseinander. 20 Millionen Tonnen Schweröl ergossen sich ins Meer, das Wrack versank 4.000 Meter tief im Ozean. Nun hatte sie alle den Schaden, all die Orte, die den Havaristen nicht in ihrem Hafen hatten haben wollen, bekamen etwas ab von der gewaltigsten Ölverschmutzung, die es in dieser Region je gegeben hat. Für die Fischer der Region ein Existenzen vernichtender Schaden. Für sie verlangte die Staatsanwaltschaft zu Prozeßbeginn Entschädigungszahlungen.
Aber von wem? Angeklagt sind ja nur Besatzungsmitglieder, bei denen nichts zu holen ist.
Tausende Freiwillige hatten vor zehn Jahren wochenlang geschuftet. Und Zehntausende hatten
Wochen nach dem Unglück bei einer großen Demonstration in Madrid nach der Verantwortung der Politiker gefragt. Der heute Regierungschef Mariano Rajoy leitete damals den Krisenstab, der die Entscheidung traf, den leckgeschlagenen Tanker wieder auf´s offene Meer zu schleppen. Zehn Jahre später stehen weder Politiker noch die Klassifizierungsgesellschaft vor Gericht. Dafür verseucht immer noch Schweröl aus dem am Meeresboden liegenden Wrack den Atlantik vor der galizischen Küste. Jahre nach dem Sinken wurden mit Tauchrobotern neue Lecks entdeckt. Einzig vernünftige Konsequenz bisher: Die EU hat einwandigen Tankern das Befahren ihrer Gewässer verboten.