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Blasphemie: Türkischer Komponist vor dem Kadi

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Blasphemie: Türkischer Komponist vor dem Kadi

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Vor der 19. Kammer des Istanbuler Amtsgerichts muss sich der international renommierte türkische Pianist Fazıl Say wegen Herabwürdigung religiöser Werte verantworten. Die Verhandlung wurde nach einer Stunde auf Februar vertagt. Say hatte in einem tweet gefragt, ob ein bestimmter Gebetsruf nur 22 Sekunden kurz ist, damit der Muezzin schneller zu seiner Geliebten oder der Schnapsflasche komme.

“Das Verfahren ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit. Deshalb stehe ich hier aus Solidarität”, sagt ein vor dem Gerichtsgebäude demonstrierender Parlamentsabgeordneter. “Es ist ein Verbrechen, Fazıl anzuklagen! Er ist ein internationaler Star. Er sollte die Welt mit seinen Kompositionen und seinem Piano vereinen und wir seine Musik genießen”, sagte der mitdemonstrierende Schauspieler Rutkay Aziz.

Say ist einer der führenden klassischen Komponisten der Türkei und ein international anerkannter Pianist. Er lebte acht Jahre in Düsseldorf und hat in Berlin studiert.
Seit Jahren ist Say Gast bei den Salzburger Festspielen. Der Atheist ist ein scharfer Kritiker der Politik von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan.