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Exklusivinterview mit Philippe Gilbert

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Exklusivinterview mit Philippe Gilbert

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30 Jahre ist Philippe Gilbert alt und aktuell einer der erfolgreichsten Fahrer im Profi-Radsport. Der Spezialist für Eintagesrennen wurde 2011 als bester Fahrer des Jahres ausgezeichnet und beendete das Jahr als Nummer eins der Weltrangliste.
Erst kürzlich wurde Gilbert Weltmeister im Straßenrennen. In Monaco gab er Euronews ein Exklusivinterview.

Euronews: Philippe Gilbert, Sie sind in der Welt des Radsports als sogenannter Puncher bekannt – woher stammt diese Fähigkeit?

Philippe Gilbert: Ich würde sagen, meine Spezialität sind die Eintagesrennen, und es stimmt, ich bin ein Puncher. Schwere Finals mit knackigen Steigungen und technisch anspruchsvolle Strecken liegen mir. Bei solchen Rennen habe ich den grössten Erfolg und kann mein Bestes geben.

Euronews: Sie sind zudem ein Spezialist für die Klassiker in den Ardennen und in Flandern. Wie lautet Ihr Geheimnis?

Gilbert: Ich würde sagen mein großes Durchhaltevermögen, aber auch meine Kenntnis der Strecken und meine Erfahrung. Diese Rennen bin ich schon in jungem Alter gefahren. Ich habe zehn Jahre Erfahrung als Profi, also habe diese Klassiker mindestens schon sieben, acht Mal bestritten. Ich kenne die Zielpassagen dieser Rennen, weil die in jedem Jahr praktisch gleich sind. Meine Erfahrung macht da also sicherlich den Unterschied. Und man muss auch eine starke Mannschaft haben, die sich für einen aufopfert. Wenn all das gegeben ist, dann hat man gute Siegchancen.

Das Jahr 2011 war ein Glanzstück für Philippe Gilbert. Er gewann den Pfeil von Brabant, das Amstel Gold Race und den Fleche Wallonne. Doch das war noch nicht alles, denn schließlich sicherte er sich noch den Titel des belgischen Meisters auf der Straße und im Zeitfahren.

Gilbert: 2011 ist und bleibt mein erfolgreichstes Jahr. Ich werde versuchen, so eine Saison zu wiederholen, aber ich habe die Latte mit dem Jahr sehr hoch gelegt. Fünf Klassiker und insgesamt 18 Rennen in einer Saison zu gewinnen, ist im modernen Radsport sehr selten. Das war außergewöhnlich, zumal ich auch noch das gelbe Trikot bei der Tour de France getragen habe und am Ende des Jahres die Nummer eins der Weltrangliste war. Ich hatte 2011 jede Menge Erfolg und das bleibt für mich und meine Fans ein großartiges Jahr.

Euronews: Und diese erfolgreiche Saison hat Ihnen auch Inspiration für 2012 gegeben?

Gilbert: Ich wollte das Jahr natürlich mit derselben Ausbeute beginnen, aber das ist mir aus unterschiedlichen Gründen nicht geglückt, obwohl ich die Saison 2012 auf einem gleichen Niveau beendet habe: mit den beiden Etappensiegen bei der Vuelta und dem WM-Titel in Valkenburg. Ich kann also behaupten, dass ich wieder auf dem Level von 2011 war und mit meinen Erfolgen sehr zufrieden bin.

Und im nächsten Jahr folgt der nächste Angriff. Das hat sich Philippe Gilbert für 2013 vorgenommen.

Gilbert: In zwei Wochen trifft sich das gesamte BMC Racing Team und wir werden über das Programm für die neue Saison sprechen. Und ich bin auf die Route der Tour de France gespannt, die am 24. Oktober in Paris vorgestellt wird. Ich werde also abwarten, wie die Strecke aussieht, ob sie mich anspricht und ob ich an der Tour de France 2013 teilnehmen werde.

Euronews: Wie beurteilen Sie die Anschuldigungen der USADA gegenüber Lance Armstrong?

Gilbert: Ich finde es eindrucksvoll, wie organisiert das ganze System durch die Beteiligten und deren Komplizen war. Ich bin ein Fahrer der neuen Generation und bin also nicht in dieses System geraten, also habe ich nicht diese Konsequenzen erlebt. Ich bin 2003 Profi geworden und Lance Armstrong ist 2005 zurückgetreten. Ich bin in dem Jahr meine erste Tour de France gefahren, in dem er zum siebten Mal gewann. Ich war sehr jung und hatte weder Aussicht auf einen vorderen Platz in der Gesamtwertung noch war ich einer seiner Konkurrenten. Es ist klar, dass wir bei dem selben Rennen am Start waren, aber er hat mir keinen Schaden zugefügt. Es ist sehr schade, was alles passiert ist und dass diese Sache so lange danach die Schlagzeilen bestimmt. Wenn es so viele Leute gibt, die davon Bescheid wussten, finde ich es schade, dass sie sich nicht früher gemeldet haben.

Euronews: Warum ist der Radsport eine der Sportarten, in denen Doping eine so große Rolle spielt?

Gilbert: Da gibt es unterschiedliche Erklärungen. Ich glaube, wir sind die einzige Sportart, die ihr Schicksal selbst in die Hand genommen hat. Die Fahrer selber zahlen für die Kontrollen, und es wurde der biologische Pass eingeführt. Alle Fahrer meiner Generation waren dafür, also bezahlen wir. Drei Prozent der Preisgelder gehen direkt in diesen Fond. Dazu zahlen alle Mannschaften einen Betrag, der für den Kampf gegen das Doping verwendet wird. Wir alle tragen dazu bei und haben den Willen zu versuchen, das Doping aus dem Radsport zu verbannen. Das gilt für die neue Generation wie auch für meine. Und klar ist: Wenn es so viele Kontrollen gibt, dann gibt es auch Dopingfälle. In vielen Sportarten wird weitaus weniger kontrolliert oder die Sportler wissen vorher Bescheid. Es gibt also in manchen Sportarten so etwas wie eine Zusammenarbeit, um Dopingfälle zu verhindern. Und wenn es doch einen gibt, sind alle erstaunt. Wir versuchen das besser und schneller zu lösen und die Betrüger auszuschließen. Wir werden oft kritisiert und in die Dopingschublade gesteckt. Es gibt nicht nur im Radsport Doping und wenn es in anderen Sportarten das gleiche Niveau an Kontrollen gäbe, gäbe es auch dort so einige Überraschungen.