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Das Vermächtnis des Fußballs
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In Posen wird früh aufgestanden. 500 000 Einwohner hat die Stadt, die heute nicht mehr Posen sondern Poznań heißt. Und sie kann sich glücklich schätzen: Die Arbeitslosigkeitsrate hier ist eine der niedrigsten in ganz Polen. Die Posener legen großen Wert auf Pünktlichkeit, auch gute Laune ist sehr wichtig, besonders am Arbeitsplatz.

Ein glänzender, neuer Bahnhof empfängt jeden Morgen die Pendler. Die Haupthalle wurde gerade rechtzeitig zur Europameisterschaft im vergangenen Juli fertiggestellt.

Normalerweise bleiben nach großen Sportevents oft unnütze Bauten zurück. In Posen aber nicht. Die Stadt hat schlau investiert: Hier wurde statt eines großen Stadions lieber ein neues Verkehrssystem geschaffen. Vierzig neue Straßenbahnen ermöglichen eine gute Anbindung bis in die Vororte.

Der Großteil des Geldes, das dank der Europameisterschaft zur Verfügung stand, wurde in den Straßenbau investiert. Die neue Autobahn nach Berlin hat viele Möglichkeiten eröffnet. Nur noch halb so lang dauert die Reise jetzt. Das freute nicht nur die Fußballfans, sondern auch die Wirtschaft.

Euronews-Reporter Paul McDowell ist vor Ort: “Straßenbahnen, Züge, eine neue Autobahn, ein komplett neues Verkehrssystem. Aber was hat die EM in Posen sonst noch verändert? Viele der Veränderungen sind zwar nicht sichtbar, aber man kann sie fühlen. Wir nennen das das ‘soziale Vermächtnis’ der Europameisterschaft 2012.”

In Posen wurden drei Spiele ausgetragen – die Bilder dieser Begegnungen gingen um die Welt. Die Stadt ist Paradebeispiel für eine funktionierende EM. Einwohner und Gäste trafen sich in Bars, um die Spiele gemeinsam zu sehen. Dadurch haben sie ein neues Gemeinschaftsgefühl entwickelt.

Posens Bürgermeister Ryszard Grobelny hat verstanden, wie wichtig dieses neue Gefühl des Zusammenhalts für seine Stadt ist: “Die Posener sind seit der EM viel offener geworden, sie gehen jetzt eher auf andere zu. Sie haben bemerkt, dass nicht nur der einzelne Mensch zählt, sondern die Gruppe. Dieses neue Gemeinschaftsgefühl hat auch dafür gesorgt, dass sich die Posener viel mehr für ihre Stadt engagieren. Wir haben gerade eben das Sozialbudget verabschiedet, und wir haben anschließend viel mehr Projektideen bekommen als früher. Die Leute wollen mitreden, wie das Geld ausgegeben wird. Das hätten wir uns nie vorstellen können, dass das einmal so wird. Dieser Wille zur Mitbestimmung ist nicht nur gewachsen, er ist explodiert.”

Die Anzahl der Fans, die für die Europameisterschaft nach Posen gekommen sind, hat alle Erwartungen übertroffen. Doppelt so viel Fußballbegeisterte wie erwartet wollten die EM vor Ort erleben.

Der polnische Tourismusexperte Jakub Pindych ist sich sicher: Die Menschen, die für die EM nach Posen gekommen sind, haben nach ihrer Heimkehr den touristischen Wert der Stadt weiterverbreitet.

“Unserer Forschung zufolge haben nach der Europameisterschaft 140 000 Menschen die Stadt komplett zufrieden verlassen. Sie haben ein gutes Bild von Posen im Kopf behalten. Deshalb konnte die Stadt viele neue Freunde gewinnen. Die Touristen sind nach der EM wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt und haben Posen an Bekannte weiterempfohlen. Die Stadt ist ein großartiger Ort für einen Wochenendausflug oder einen Kurztrip.”

Posen ist aber nicht nur für sein großes kulturelles Angebot und seine Einkaufsmöglichkeiten bekannt, sondern gilt auch als ‘Stadt des Wissens’. Junge Menschen werden hier ermutigt und finanziell unterstützt, ihren eigenen Betrieb zu gründen.

Eines dieser Unternehmen ist Rapcraft. Vor einem Jahr haben sie begonnen, den 3-D Druck weiter zu entwickeln. Jetzt teilen sie ihr Wissen mit Schulen und Universitäten in Posen.

Die Firma hat freie Software verwendet, mit deren Hilfe sie einen 3-D-Drucker konstruiert hat. Es gibt also kein Patent auf das Gerät. Das Ziel der Arbeit ist es, andere Menschen zu ermutigen, an diesem Projekt weiterzuforschen und es weiterzuentwickeln.

Doch im vergangenen Sommer haben sich die Pläne der Firma geändert, so Bartosz Barlowski vom Projekt Rapcraft:

“Wir denken jetzt viel globaler über unser Gewerbe. Während der Europameisterschaft haben wir so viele Ausländer gesehen, die nach Posen gekommen sind. Das hat uns auf die Idee gebracht, mit unserem Drucker eine Reise durch Europa zu machen. Wir haben ihn in einen VW Bus gepackt und sind losgefahren, um ihn in ganz Europa vorzustellen. Diese Idee hat uns wirklich geholfen, auf eine universale Art und Weise über unsere Arbeit nachzudenken.”

Auch im Sportbereich hat man nicht aufgehört, über die Stadtgrenzen hinaus zu denken. Vor 12 Monaten hat in Posen ein Schwimmbad von olympischer Größe eröffnet. Dadurch konnte sich die Stadt für internationale Turniere bewerben. Nächstes Jahr wird dort die Junioren-Europameisterschaft ausgetragen.

Das Schwimmbad hat auch einen angeschlossenen Bereich für Familien, ein Erlebnisbad mit 10 Becken, das täglich etwa 6 000 Besucher zählt.

Posen versucht weiterhin, vom Vermächtnis der Europameisterschaft zu profitieren, und die Welt über seine Entwicklung auf dem Laufenden zu halten. Dafür sorgt under anderem auch Paul Newsham:

“Ich heiße Paul, ich bin aus Manchester in England und ich bin Blogger. Ich arbeite für den Stadtrat.

Mein Job ist es, den Menschen auf der Welt auf Englisch mitzuteilen, was in Posen passiert. Ich habe auch schon während der EM als offizieller Blogger für die Stadt gearbeitet. Das wundervolle an diesem Event sind die Spuren, die es in der Stadt zurückgelassen hat.

Die Europameisterschaft 2012 war fantastisch. Jetzt ist sie vorbei, aber ihr Vermächtnis in Posen lebt weiter. Die Stadt wächst stetig und sie hört nie auf, sich weiter zu entwickeln.”

Copyright © 2014 euronews

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