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Experten warnten nicht vor Erdbeben in L'Aquila - verurteilt

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Experten warnten nicht vor Erdbeben in L'Aquila - verurteilt

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Zu sechs Jahren Haft und Ausschluss von öffentlichen Ämtern auf Lebenszeit hat ein Gericht in L’Aquila sieben Experten verurteilt – sie hatten 2009 wenige Tage vor dem Erdbeben in der italienischen Stadt Entwarnung gegeben. Bei dem Beben waren mehr als 300 Menschen gestorben, mehr als 1000 verletzt und rund 80 000 obdachlos geworden, das mittelalterliche Stadtzentrum ist nach wie vor ein Trümmerfeld.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Seismologen und Zivilschutzbeamten vier Jahre Haft wegen fahrlässiger Tötung gefordert.

Die Angeklagten und ihre Anwälte reagierten geschockt.

Die Verteidigerin Alessandra Steffano:

“Dieses Urteil hat einfach gar keinen Sinn. Ich habe immer noch die gleiche Meinung wie vor der Verhandlung, ich fühle mich durch die Debatte im Gerichtssaal eher noch bestätigt. Verantwortung muss man da mit der Lupe suchen.”

Der verurteilte Katastrophenschutzbeamte Bernardo de Bernardinis:

“Ich konnte nichts anderes tun auf der Basis der Informationen, die ich hatte. Als Katastrophenschützer habe ich die Pflicht erfüllt, die mir aufgetragen war.”

Claudia Carosi, die ihre Schwester verlor:

“Jetzt werden sie anfangen, ihre Verantwortung etwas ernster nehmen. Das ist alles, was wollten – keine Rache. ist doch klar, dass meine Schwester nie wieder zurückkommt, heute nicht, nie wieder.”

Unter den Abruzzen treffen zwei tektonische Platten aufeinander. Nach monatelangen unterirdischem Knirschen hatten sich die Wissenschaftler am sich 31. März 2009 in L’Aquila getroffen. Ihre Empfehlung: Ruhig bleiben, keine akute Gefahr. Sechs Tage später krachte es.

Mit ANSA, AFP