Eilmeldung

Eilmeldung

Ukraine vor den Wahlen - ein Blick auf die Wirtschaft

Sie lesen gerade:

Ukraine vor den Wahlen - ein Blick auf die Wirtschaft

Schriftgrösse Aa Aa

Das ist das Modernste vom Modernen der ukrainischen Industrie. Für rund 540 Millionen Euro, das ist die größte private Investition seit der Unabhängigkeit, erstand in Dnepropetrovsk ein funkelnagelneues Stahlwerk. Eines der völlig neuen Art. Hier wird nicht mehr ganz allgemein Stahl geschmolzen, aus dem dan dieses und jenes entsteht. Hier entstehen die Röhren für für Erdöl- und Erdgaspipelines. Besitzer dieser kompletten Röhrenfabrik ist Viktor Pinchuk. Er meint:

“ Man sagt, ein Mann müsse einen Baum pflanzen, ein Haus bauen …. Ich dachte mir, ich baue besser eine Fabrik. Im ganzen Land wurde seit der Unabhängigkeit kein neues Werk gebaut, der letzte Metallurgiebetrieb vor einem halben Jahrhundert. So ist das hier für uns auch ein Zeichen für die Modernisierung des Landes insgesamt.”

Diese hochspezialisierte Industrieanlage mit Namen “Interpipe”, seit gerade zwei Wochen in Betrieb, ist der Stolz und Hoffnung zugleich – nicht nur für die eigenen Beschäftigten. Dennoch warnt der Wirtschaftsexperte Ihor Burakovsiy in Kiew vor schädlichen Tendenzen im Land, vor einer gewissen Art von Vorteilsnahme. Da würden Mitbewerber auf unfaire Art ausgebootet, einfach dadurch, dass dem Unternehmer, der expotieren könne, die Mehrwertsteuer erstattet werde, seinen Mitbewerbern aber nicht.

Die weltweite Krise im Bereich der Stahlwerke alten Typs hat die Preise um 16% fallen lassen. Davon betroffen sind natürlich die gigantischen Stahlproduzenten aus Sowjetzeiten wie das Werk in Donetzk. Mykola Shmigol arbeitet schon lange bei “Donetzk-Stahl” am Hochofen. Er macht sich wegen der Stahlkrise keine Sorgen um seinen Betrieb. Er vertraut auf die Regierung, die alles tue, um die Stahlkrise abzuwenden.

Im gesamten Exportaufkommen der Ukraine macht Stahl 40 % aus. Und Stahlproduktion ist nun einmal energieintensiv. Da spielt die auch die Steinkohle aus dem Donbass eine wichtige Rolle. In anderen Regionen des Landes, in denen die Wirtschaft insgesamt nicht so gut läuft , sind besorgte Stimmen zu hören.

Der Mann auf der Straße meint, mit Ausnahme von Dnepropetrowsk und Charkiv sei dort doch die Industrie konzentriert, in der der keine intellektuell anspruchsvolle Arbeit geleistet werde.

Und die Frau auf der Straße verweist auf den landwirtschaftlich geprägten Westen des Landes, wo weit niedrigere Löhne gezahlt werden.
Die Regierung hat wissen lassen, nach den Wahlen werde sie die Wirtschaft so richtig ankurbeln.

Die Kiewer Zeitung “Kommersant” schrieb jüngst, die Regierung übe Druck aus auf die einheimischen Kraftwerke, damit sie staatlich subventionierzte ukrainische Kohle aus dem Donbass kaufen und nicht die billigere aus dem Ausland.