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Musiker und Minister Youssou N'Dour gibt Antwort

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Musiker und Minister Youssou N'Dour gibt Antwort

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Alex Taylor, Euronews:
“Die Beziehungen zwischen Afrika und Europa sind manchmal angespannt. Wir haben jemanden gefunden, der sie zum Erfolg führen kann.
Die Beziehungen zwischen der Musik und der Politik sind manchmal undurchsichtig. Niemand ist besser geeignet, sie uns zu erklären: Youssou N’Dour, der neue senegalesische Minister für Kultur und Tourismus und weltbekannte Sänger.
Erst seit sechs Monaten spricht man Sie als Herr Minister an.”

Youssou N’Dour :
“Ja, aber es geht mehr darum, zu wissen, wie man sich für sein Land einsetzt.”

Taylor:
“Und genau in diesem Sinne haben wir die Fragen für I talk zusammengestellt. Beginnen wir mit dieser.”

Frage:
“Guten Tag, ich heiße Lamarana und stamme aus Guinea. Ich lebe in Brüssel und habe eine Frage an Herrn Youssou N’Dour: Ich kenne Ihre Musik und wüsste gern, ob Sie es bedauern, dass Sie statt Musik nun Politik machen.”

Taylor:
“Schon? Sie wurden erst im vergangenen April ernannt.”

N’Dour:
“Ja, im April. Wie schon gesagt geht es mir darum, mich für mein Land einzusetzen. So muss man das verstehen. Es ist eine lange Geschichte. Die jungen Menschen müssen betreut werden, sie müssen gestützt und beteiligt werden, und über diese Probleme habe ich sehr viel nachgedacht.”

Taylor:
“In welchem Moment haben Sie die Entscheidung getroffen: Ich will meinem Land helfen, dem Senegal?”

N’Dour:
“Ja, ich war immer beschäftigt mit Musik, mit Singen und Sprechen, und ich glaube, ich spürte plötzlich, dass ich mit meiner kleinen Erfahrung einen Beitrag leisten müsste.”

Taylor:
“OK, eine zweite Frage an Youssou N’Dour, hier bei euronews.”

Frage:
“Mein Name ist Sarah, ich bin aus Rumänien. Meine Frage ist: Glauben Sie, dass Sie auf die Jugend mehr durch Musik wirken, oder durch Politik?”

Taylor:
“Eins von beiden…”

N’Dour:
“Nein, ich glaube, es gibt eine gemeinsame Wirkung. Ich glaube, man vergisst sich selbst, wenn es um das eigene Land geht. Man vergisst sich, um sich zu engagieren. Ich glaube, dass man es so sehen muss. Ich persönlich sehe es so, weil ich den Eindruck habe, dass ich meinem Land einen Dienst erweise.”

Taylor:
“Eine weitere Frage in I talk.”

Frage:
“Guten Tag, ich heiße Sarah und bin Belgierin. Ich wüsste gern, wie Sie die langfristigen europäisch-afrikanischen Beziehungen in humanitärer Hinsicht sehen.”

N’Dour:
“In humanitärer Hinsicht sage ich, dass man sich gegenseitig achten muss. Meines Erachtens hat durch die Öffnung Afrikas zum Beispiel China viel Boden gutgemacht durch den Austausch mit Afrika. Und Sie hier im Westen, Sie finanzieren viel, und wir finanzieren nicht so viel …”

Taylor:
“Wir haben immer mehr interne Debatten.”

N’Dour:
“Trotzdem finanzieren Sie viel, und wir finanzieren nicht genug, weil wir nicht genug haben, aber ich finde, die Beziehungen zwischen Europa und Afrika müssen neu justiert werden. Wenn man uns in einer gewissen Weise anspricht und sagt: Was wollt Ihr? Und wenn wir dann sagen, was wir wollen, dann ist das der Moment, in dem uns Europa begleiten kann. Das geht nicht mehr mit Befehlen. Und in unseren Köpfen hat das noch nie funktioniert. Aber das ist trotzdem die Vorgehensweise gewesen, viele Jahre lang.”

Taylor:
“Ist China mit seinen Investitionen eine Bedrohung?”

N’Dour :
“Nein, ich glaube wie gesagt, dass Asien – um nicht nur von China zu sprechen – von uns das verlangt, was wir wollen. Und so wollen wir es haben. Ich finde, dass wir nun auch die Beziehungen zwischen Europa und Afrika neu ausrichten müssen – und sagen müssen: Nehmt zur Kenntnis, was die Afrikaner erwarten.”

Schriftliche Frage von Pedro, Portugal:
“Lieber Herr N’Dour, ich gratuliere Ihnen zu Ihren ersten sechs Monaten in der Regierung und wünschen Ihnen alles Gute für die kommende Arbeit. Welche Sorgen machen Sie sich wegen Mali? Und glauben Sie, dass Europa und der Westen eine aktivere Rolle spielen müssen?”

N’Dour:
“Zunächst einmal glaube ich, dass man die Dinge zurechtrücken muss. Seit meiner Ernennung zum Minister für Kultur und Tourismus hat Afrika in kultureller Hinsicht stets den Dialog gepriesen. Seit dem offenen Ausbruch des Konflikts hat der Präsident der Republik, Macky Sall, seine Exzellenz Macky Sall, uns aufgefordert, auf Pilgerfahrt zu gehen und mit unseren Kollegen zu sprechen, um den Dialog in Gang zu bringen.
Wir glauben an den Dialog, denn Afrika hat entsprechende Grundlagen, den Vertrag von Mandé etwa, und es gibt Dinge, die sogar schon vor der Kolonialisierung getan wurden, also preisen wir den Dialog. Ich bin dabei, mit meinen Ministerkollegen Kontakt aufzunehmen, fast in ganz Afrika, damit wir eine Botschaft aussenden und die Bevölkerungen beteiligen. Und ich glaube, auf diesem Wege könnte man ein gewisses Verständnis erlangen, das glauben wir, und was uns betrifft, so preisen wir den Dialog, und die Kultur hilft uns, wegen dieses Konflikts miteinander zu sprechen.”

Taylor :
“Eine weitere Frage an Youssou N’Dour hier in I talk bei euronews.”

Frage:
“Guten Tag Youssou, ich bin Jean-Marie aus Brüssel und wüsste gern, was Sie über die amerikanische Afrika-Politik denken. Sind Sie für Obama oder für Romney bei den amerikanischen Wahlen 2012?”

Taylor:
“Wollen Sie sich äußern?”

N’Dour:
“Nein, dazu kann ich nichts sagen. Wir sind hier im Rahmen unserer Aufgaben als Minister des Senegal, und die Stimme des Senegal ist sehr wichtig. Wir sind nicht für eine Einmischung in die Innenpolitik oder den Wahlkampf der Vereinigten Staaten.”

Taylor:
“Haben Sie eine Vorliebe?”

N’Dour:
“Ich kann mich hier nicht äußern. Ich halte Amerika für einen festen Partner. Wir wollen, dass Amerika stark bleibt und das hochhält, was ich das Gleichgewicht der afrikanisch-amerikanischen Beziehungen nenne. Es gibt viel zu sagen, aber wir haben hier nicht viel Zeit, das zu tun. Ich hoffe, dass im Wahlkampf mehr von Afrika die Rede sein wird, dass ein wenig von den Beziehungen zwischen Afrika und den Vereinigten Staaten gesprochen wird.”

Taylor:
“Eine kleine letzte Frage an Youssou N’Dour hier in I talk.”

Frage:
“Guten Tag, ich heiße Kenza und bin Engländerin. Meine Frage an Youssou N’Dour: Was kann man für kranke und geschwächte Kinder in Afrika tun?”

Taylor:
“Riesige Frage, kurze Antwort.”

N’Dour:
“Ja, aber die Antwort ist – wie gesagt: Wie beteilige ich mich? Ich habe gesagt, dass Kinder und junge Leute berücksichtigt werden müssen. Sie müssen sensibilisiert werden, die jungen Leute müssen beteiligt werden, die Kinder müssen geschützt werden.
Und in diesem Rahmen glauben wir, dass unsere Beteiligung – die natürlich geleitet ist von der Vision des Präsidenten der Republik und des Ministerpräsidenten, und wir arbeiten täglich zusammen mit dem Minister, der für Kinder und Jugendliche zuständig ist …. – dass unsere Beteiligung darin besteht, für frischen Wind zu sorgen und ihnen viel mehr Hoffnung zu geben, ihrer Bildung neues Leben einzuhauchen. Ich glaube, Bildung ist die Basis, und man darf auch seine eigenen Wurzeln nicht vergessen.”

Taylor:
“Wird es leicht sein, zur Musik zurückzukehren, wenn Sie in der Zukunft Ihr Ministeramt verlassen?”

N’Dour:
“Ich glaube, die Musik wird immer meine Leidenschaft sein. Heute ist die Musik in dem, was ich tue. Ich habe schon viele Lieder vorgetragen, die an die Regierenden gerichtet waren, und auch viele Lieder, die an die Bevölkerung gerichtet waren. Ich glaube, meine Lieder werden weiterhin Resonanzen erzeugen. Die Leidenschaft steckt in mir. Immer, wenn sich mir die Gelegenheit dazu bietet, mache ich etwas Musik. Aber heute bin ich konzentriert auf die Entwicklung des Senegal. Das ist das Land der Teranga, was man nicht erklären kann. Die senegalesische Teranga ist Gastfreundschaft. Es ist das einzige Land der Welt, das man das Land der Teranga nennt. Selbst die Löwen nennt man Löwen der Teranga. Wenn Sie noch nicht im Senegal waren, möchte ich Sie zu einem Besuch einladen, Sie und Ihr Team. Sie werden sehen: Es ist ein großartiges und einladendes Land.”

Taylor:
“Ich war da schon mehrmals und kann nur bestätigen, was Sie sagen. Youssou N’Dour, vielen Dank, dass Sie unsere Fragen beantwortet haben, hier in I talk. Vielen Dank dem Audiovisuellen Dienst des Europäischen Parlaments hier in Brüssel.
Auf Wiedersehen bei einem weiteren I talk hier bei Euronews.”