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Hunger und Cholera in Haiti: Nach "Sandy" ist alles noch schlimmer

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Hunger und Cholera in Haiti: Nach "Sandy" ist alles noch schlimmer

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Nach Hurrikan “Sandy” droht in Haiti eine Hungersnot. Die Landwirtschaft wurde stark in Mitleidenschaft gezogen, die Ernten sind kaputt.

Fast zwei Millionen Menschen sind nach UN-Angaben direkt von den Folgen von “Sandy” betroffen. Besonders der Süden des Landes, in dem erst im August Tropensturm “Isaac” wütete, ist nun von “Sandy” verwüstet.

Bauer Martin Yvener in der Nähe von Les Cayes, 200 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince, erzählt: “Durch diesen Hurrikan haben wir alles verloren, unsere Ernten und unsere Kühe. Manche haben ihr ganzes Haus verloren. Immer noch werden Menschen vermisst. Wir versuchen wieder Reis anzupflanzen, aber er wird wahrscheinlich nicht wachsen können, denn es kommen neue Stürme.”

Da die Insel wenig produziert und die Ernten zerstört sind, muss viel importiert werden.
Schon jetzt sind die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe geschnellt.

Carline Joseph auf dem Markt von Les Cayes klagt:
“Eine Tasse Reis kostet jetzt fast doppelt soviel wie vor dem Sturm. Wir schreien um Hilfe. Nahrungsmittel müssen billiger werden.”

Norwegens Kronprinz Haakon rief bei einem Besuch in Haiti zu internationaler Hilfe für die Sturmopfer auf. Er appellierte an die UNO, die Menschen in dem bitterarmen Karibikstaat jetzt nicht alleine zu lassen. “Was passiert ist, ist schrecklich. Die Familien wurden hart getroffen”, sagte der Prinz am Mittwoch (Ortszeit) in Port-au-Prince. Haitis internationale Partner und die UNO müssten daher aktiv werden.

60 Menschen sind durch “Sandy” ums Leben gekommen. Die meisten wurden bei Erdrutschen und Überschwemmungen getötet, die durch die heftigen Regenfälle ausgelöst worden waren.

Johan Peleman, Leiter des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) in Haiti, warnte, in den kommenden Monaten drohten “ernsthafte Probleme” durch Unterernährung bei großen Teilen der Bevölkerung.

Auch die Cholera breitet sich aus. Das Risiko, sich mit dem Cholera-Erreger anzustecken, steigt mit starkem Regen durch verschmutztes Trinkwasser.
Nach dem schweren Erdbeben 2010 starben Tausende in Haiti an Cholera, mehr als eine halbe Million Menschen dort sind infiziert.

Eine Zunahme an Cholera-Fällen sei vor allem im Süden, im Südosten, im Westen und in den Flüchtlingslagern sowie in den schwer zugänglichen Regionen beobachtet worden, sagte ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bei dem Erdbeben 2010 wurde die sanitäre Infrastruktur grossflächig zerstört. In der Folge kam es zu einer Choleraepidemie. Dieser sind nach Angaben der WHO bis heute rund 7600 Menschen zum Opfer gefallen.