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Unternehmenberater Ian Bremmer zur US-Wirtschaftsentwicklung

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Unternehmenberater Ian Bremmer zur US-Wirtschaftsentwicklung

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Als die USA langsam aus der Wirtschaftskrise von 2008 herauskamen, meinten die meisten Beobachter, wahlentscheidend sei vor allem die Wirtschaft. Daüber sprach der Londoner euronews-Korrespondent mit Ian Bremmer, dem Präsidenten der “Eurasia-Group”, die Risiken für Unternehmen beurteilt. Wir haben Zeichen für den Aufschwung in der US-Wirtschaft gesehen, den Sie als mühsam und langsam bezeichnen. Meinen Sie denn, die Wirtschaft sei wieder in Form?

Ian Bremmer:
Das hängt von Ihrer Sichtweise ab. Davon, ob Sie zu den 10 Prozent gehören, die den höchsten Gewinn machen oder ob Sie in Ihren Firmenverwaltung den Eindruck haben, die US-Wirtschaft läuft wie sie soll. Es hängt von Ihrer langfristig betrachteten Perspektive ab, die USA können praktisch kostenlos Kredite aufnehmen. Offenbar sehen viele Banken die USA als sehr guten Kunden an. Aber die Arbeitslosigkeit ist immer noch hoch. Das Lebensniveau ist für den Durchschnittsamerilkaner schlechter geworden, ebenso die Aussicht auf die langfristigen Chancen für seine Kinder. Darum würde ich nicht nur sagen, dass es für die USA abwärts geht, in mancher Hinsicht sogar auf härtere Weise als 2008 vor der Finanzkrise. Nicht nur, dass es für die USA der schlimmste Abwärtstrend seit 40 Jahren ist, überhaupt Antworten zu finden für die US-Wirtschaft ist sehr schwer geworden.

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Präsident Obama will über Kredite der Autoindustrie frisches Geld zukommen lassen, um die Arbeitslosenzahlen zu senken. Wird sich das für ihn bei den Wahlen auszahlen?

Ian Bremmer:
Ich denke, dass Obama weniger angreifbar ist in Bezug auf die Wirtschaftsentwicklung in seiner Amtszeit, als man hätte erwarten können.
Und zwar, weil sich die Beschäftigungszahlen besser erholt haben, als 2009 vorausgesagt.
Und zwar weil Europa nicht auseinandergebrochen ist, weil Merkel kreditwürdig bleibt. Auch weil wir sehr zufrieden sind mit der Zustimmung des Obersten Gerichtshofes zur Gesundheitsreform.

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Mitt Romney hat gesagt, er wolle China auffordern, seine Währungspolitik zu ändern. Wie realistisch ist das?

Ian Bremmer:
Natürlich kann man sie auffordern, das kann man immer. Wie meine Mutter sagen würde: Es ist schön, sich etwas zu wünschen, aber es ist besser, es auch zu haben. Und die Vereinigten Staaten haben haben recht wenig Druckmittel gegenüber China. Sie wissen sicher, China hat während Obamas Amtszeit seine Währung schon um 11 % der Realität nähergebracht. Das haben sie nicht Obama zuliebe getan, sondern weil sie es für sich selber als sinnvoll erkannt haben. Sie haben es schrittweise getan, in sehr kleinen Schritten, aber beständig über die Jahre hin. Ich vermute, es wird so weitergehen.

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Wird es irgendwelche Unterschiede zwischen Obama und Romney geben beim Wiederaufbau nach dem Hurrikan Sandy?

Ian Bremmer:
Ich denke, ob Obama oder Romney gewinnt, spielt keine Rolle bei den Entscheidungen, wieviel Geld bereitgestellt wird. Da unterscheiden sich Demokraten und Republikaner kaum. Wir haben in den Verienigten Staaten zwei Parteien, die man beide als “zentristisch” bezeichnen kann, die beide von den gleichen Leuten finanziert werden, mit den gleichen Interessen. Die Amerikaner wollen, dass ihre Wirtschaft rund läuft, Arbeitsplätze schafft, sie wollen niedrige Steuern, eine funktionierendes Gesundheitssystem und Beachtung ihrer lokalen Interessen. Warum hat sich Romney nicht zu Afghanistan geäußert, wo während seiner Nominierung Amerikaner starben? Er ist nicht auf den Krieg eingegangen, den die Amerikaner gerade verlieren. Warum nicht? Weil das für seine Wahl nicht ausschlaggebend sein wird. Am Ende der Debatte zur Außenpolitik sagten beide Kandidaten, es gehe darum, die eigene Nation wieder aufzubauen.