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US-Wirtschaft, das Sorgenkind

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US-Wirtschaft, das Sorgenkind

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Amerikanische Wahlen werden in der Wirtschaft entschieden. Darum ist auch der Bundesstaat Ohio so wichtig. Hier wird besonders hart um die wirtschaftliche Erholung gekämpft. “Uns geht es nicht besser”, verkündet ein Anti-Obama-Plakat, nur wenige Meter weiter verkündet eine Firma, dass sie Leute einstellt. Hier ist die Automobilindustrie zuhause, einer der wichtigste Zweige der US-Wirtschaft. Im Oktober zog der Absatz um 7 Prozent an. Das sind die besten Zahlen seit dem Krisenbeginn 2007. Bei General Motors im Bundesstaat Michigan, hier in Flint bei Detroit, macht sich Optimismus breit. Arbeiter Tony verweist auf den steigenden Absatz der teuren LKWs. Sie haben gerade eine zusätzliche Nachtschicht eingerichtet, damit jetzt 250 Fahrzeuge pro Tag vom Band laufen können. Für ihn ein Zeichen, dass die Wirtschaft anspringt.

In der Stadt Flint sieht man hingegen vor allem, welche Wunden die Krise der Kommune geschlagen hat. Die hat jetzt umgerechnet 13 Millionen Euro Schulden und steht unter der Zwangsaufsicht der Finanzbehörden des Bundesstaates. Ungefähr so wie Griechenland unter Aufsicht der Troika. 60 Polizisten mussten entlassen werden. Die Stadt hat jedem dritten Behördenmitarbeiter gekündigt und den verbliebenen die Gehälter um 20 Prozent gekürzt. Entsprechend schlecht ist jetzt der Service.

Fredericksburg in Virginia. Obwohl hier mit 5,8% die Arbeitslosigkeit geringer ist, zeigt die Zahl der Hilfsbedürftigen permanent an. Oya Oliver, die Frau von der Hilfsorganisation nennt eine beängstigende Zahl: Um 31% sei hier der Bedarf an Lebensmittelhilfe gestiegen. Und auch in den besseren Vierteln stellen die Leute fest, dass oft das Geld eher aufgebraucht ist als gewohnt und nach Bezahlung aller Rechnungen nichts mehr bleibt, egal waa man noch brauchen würde. Das macht auch die Einzelhändlern das Leben schwer. Wenn alles Geld für das reine Überleben ´draufgeht, wer leistet sich dann noch eine neue Krawatte oder gar einen Anzug? Ladenbesitzer Alex Brown kann schon gar nicht mehr all die Sonderrabatte aufzählen, mit denen er versucht hat, dem Umsatz anzukurbeln.

Drei statt eins für hundert Dollar, sowas drückt seinen Gewinn gewaltig. Das macht das Überleben sehr hart. Ja, es gibt Aufschwung in der amerikanischen Wirtschaft. Aber längst noch nicht überall. Das Tal der Tränen ist noch nicht durchquert.