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First Ladies – Ikonen der Mode und der Popkultur

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First Ladies – Ikonen der Mode und der Popkultur

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Sie stehen im Schatten der mächtigsten Männer der Welt: die First Ladies. Und dennoch: Die Gattin des US-Präsidenten hat eine privilegierte Position inne. Sie steht ebenso im Rampenlicht und kann im Nu zur amerikanischen Ikone werden.

Im Laufe der Amtszeiten erlebte das Weiße Haus verschiedene Typen von First Ladies mit jeweils unterschiedlichem modischen Auftreten – etwa die Mutter der Nation, die soziale Vertrauensperson oder die Mode-Ikone. Ohne Frage hat jede der Präsidenten-Gatinnen dabei ihre eigenen Hemmungen und Unwägbarkeiten.

Modeberaterin Lauren A. Rothman bestätigt:

“First Lady zu sein, ist auch die Gelegenheit, eine amerikanische Ikone zu werden.” Und Michele Swers, Politk-Professorin an der Georgetown University fügt hinzu: “Die Rolle der First Lady als Teil der US-amerikanischen Politik ist momentan gar nicht so einfach. In der Verfassung steht nichts davon. Sie haben keine bestimmte Verantwortung und so hat sich die Position im Laufe der Jahre selbst gestaltet.”

Jede First Lady bringt eine eigene Mischungaus Persönlichkeit, dem familiären Hintergrund, Interessen und Zielen ins Weiße Haus ein. Und dies gestaltet die unbestimmte Position mit jedem Regierungswechsel aufs Neue. In den ersten 150 Jahren der US-Geschichte haben die Präsidenten-Gatinnen vor allem zeremonielle und gastgebende Pflichten ausgefüllt. Mit einigen Ausnahmen haben sie in erster Linie die sozialen Funktionen im Weißen Haus erfüllt, sich also um das Wohlergehen der Familie gesorgt und hinter verschlossenen Türen ihre Männer beraten. Sie standen nicht im Scheinwerferlicht.

Anita McBride, Vorsitzende der First Ladies Conferences an der American University erklärt: “Die moderneren Zeiten begannen, denke ich, mit Eleanor Roosevelt. Sie hat die Dynamik verändert und gezeigt mit wie viel Aktivität die
Rolle verbunden sein kann.”

Ihr Mann Franklin D. Roosevelt, US-Präsident ab 1933, war körperlich eingeschränkt und vertraute auf die öffentliche Unterstützung von Eleanor. Sie war die erste Präsidenten-Gattin, die fester Bestandteil der Popkultur wurde. Sie feuerte die wachsende Faszination für die First Ladies an.

“Unsere First Ladies sind eine Art Anführerinnen des bevorstehenden Wandels”, beschreibt Anita McBride. “Gleichzeitig sind sie aber auch ein Spiegel dessen, was unsere Gesellschaft momentan ausmacht. Zum Beispiel Betty Ford. Sie hat auf eine sehr persönliche Weise für das Wohl des amerikanischen Volks gekämpft, etwa gegen Brustkrebs, ein Tabu-Thema. In den 70ern hat niemand über Brustkrebs gesprochen.”

Betty Ford nutze ihre Krankheit, um Frauen zu ermutigen zur Mammografie zu gehen und ohne Scham über die Behandlung und die emotionale Belastung zu sprechen. First Ladies haben eine herausragende Position inne, von der aus sie gesellschaftliche Veränderungen anstoßen können.

Andererseits müssen sie aber auch auf schmalem Grad gehen: „In der Vergangenheit waren First Ladies im Allgemeinen dann beliebter, wenn sie als „mother in chief“, eine Art Chef-Mutter, gesehen wurden, nicht als Inhaberin einer aktiven politischen Rolle”, sagt Michele Swers. “Daher war Barbara Bush sehr angesehen, sie war eher der mütterliche Typ. Laura Bush ebenfalls. Sie war Bibliothekarin.”

Sowohl Barbara als auch Laura Bush haben sich sehr um Bücher und Literatur gekümmert. Und genau wie die meisten ihrer Vorgängerinnen haben beide nie die Linie zwischen dem Eintreten für eine Sache und uneingeschränkter politischer Arbeit überschritten.

Die erste, die genau das genau das gewagt hat, war Hillary Clinton: “Hillary Clinton war am wenigsten beliebt als ihr eine politische Rolle zugeschrieben wurde. Denn: Sie war nicht gewählt, eine ungewählte politische Entscheidungsträgerin”, sagt Michele Swers. “Bill Clinton hätte wohl gesagt: ‘Wähle einen, erhalte zwei.’ Und er dachte, das sei eine gute Sache. Viele Leute sahen das aber anders. Sie hatten nur Bill Clinton gewählt.”

Die öffentlichen Reaktionen gegenüber der First Lady Hillary waren harsch. Keine guten Zeiten für die Clinton-Regierung.
Hillarys Beliebtheit kehrte zurück als sie während der Affäre um Monica Lewinsky zur verschmähten, mitleiderregenden Ehefrau wurde.

Bereits kanapp 40 Jahre zuvor, zu Zeiten Kennedys gab es Gemunkel im Weißen Haus über sexuelle Untreue. Doch First Lady Jackie Kennedy stellte sich schützend vor das Privatleben ihrer Familie.

“Mit ihren speziellen Hüten und den Kleidern mit A-Linien-Schnitt hat Jackie Kennedy zum ersten Mal eine modischen Akzent gesetzt, eine junge Frau im Weißen Haus und eine neue Mama,” erklärt die Modeberaterin Lauren A. Rothman.

Ob es nun Absicht war oder nicht: Jackie Kennedy hat die Messlatte höher gesetzt. Sie zeigte wie Frauen ihr Modebewusstsein nutzen können, um Wohlwollen mit der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Die mediale Beachtung für das Paar war enorm.

Für einen modischen Wahnsinn sorgte das schimmerndes Kleid der Modemacherin Tracy Reese, das die aktuelle First Lady, Michelle Obama bei ihrer ersten Rede auf dem Nomminierungsparteitag der Demokraten trug. Rothman: “Ich denke, dass Michelle Obama die erste moderne Frau als First Lady ist. Sie und ihr Mann haben hart für das gearbeitet, was sie heute sind. Michelle Obama hat uns das Geschenk der Mode im Weißen Haus zurückgegeben, etwas das wir seit langem nicht mehr gesehen haben.”

Ob Michelle Obama nach den bevorstehen US-Wahlen weiterhin als First Lady Zeichen setzt, wird sich zeigen. Jedenfalls hat Ann Romney, die Gattin des republikanischen Kandidaten Mitt Romney, bereits klargemacht, dass auch sie auf der politischen Bühne Akzente setzen möchte.