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Rasse und Religion im US-Wahlkampf

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Rasse und Religion im US-Wahlkampf

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Ihre Zahl wird mit rund 20 Millionen angegeben.
Unter den Wählern in den drei wahlentscheidenden Bundesstaaten sind überdurchschnittlich viele
“Latinos” oder “Hispanics”, wie die Menschen mit spanischer Muttersprache in den USA genannt werden. Sie werden auch als “schlafende Mehrheit” bezeichnet, die dem, der sie weckt und an die Wahlurnen bringt, zum Sieg verhelfen kann.
Wegen ihrer hohen Geburtenrate werden sie bis 2050 voraussichtlich 30% der US-Bevölkerung ausmachen. “Wir können eine starke, einflußreiche Gruppe werden und etwas verändern, “ sagt Herbert Serrano, dessen Wurzeln in Ecuador liegen.
Er verweist auf den demografischen Faktor, der besagt, sie werden zahlreicher. Für diese Gruppe läuft Wahlwerbung in der spanischen Muttersprache nicht nur in Kalifornien. Ein einheitlicher Block von Wählern sind sie trotzdem nicht. Eduardo Zurita aus Los Ángeles mag die Philosophie der Republikaner. Das sagt er auf Spanisch. Er betont: “Die Regierung kann nicht alle unsere Probleme lösen”, um im nächsten Satz anzumerken, dass er von Obama die bessere Hilfe für
Hispanics und andere erwartet.
Gerade bei dieser Bevölkerungsgruppe sind in allen Straßen Wahlhelfer unterwegs, um die Bürger persönlich anzusprechen. Vor allem in der sensiblen Einwanderungspolitik vertrauen Hispanics eindeutig mehr auf Obama. Aber auch andere Minderheiten haben geradezu Angst vor Romneys Regiment.
In San Francisco, der Hochburg der Homosexuellen, leben Steve und Olivier mit den Zwilligen, die sie nach kalifornischem Gesetz nicht adoptieren dürfen.
Auch wenn sie für die Kinder sorgen wie andere Familien für die ihren auch. Steve verbindet sein Mißtrauen gegenüber Romney in erster Linie mit dessen Zugehörigkeit zur Kirche der Mormonen.
“Die Mormonen hassen Homosexuelle”, sagt er.
Seine größte Sorge besteht darin, dass für den “Mormonenbischof”, wie er Romney nennt, die Religion über den Bürgerrechten stehe. Er kennt Obama persönlich und betont, der stelle niemals seine religiösen Überzeugungen über die Bürgerrechte. Darum vertrete er heute auch das ganze Land, einschließlich Kalifornien als ein die Bürgerrechte vertretender Demokrat.
Präsident Barack Obama hat sich in seiner ersten Amtszeit ausdrücklich für die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare eingesetzt.

Eleanor Holmes Norton kämpft Zeit ihres Lebens für gleiche Rechte für alle EU-Bürger. 1977 wurde sie von Präsident Jimmy Carter zur ersten Chefin der Kommission für gleiche Rechte bei der Arbeit berufen. Sie war dabei, als Präsident Barak Obama als erste Amtshandlung das Gesetz über “gleichen Lohn für gleiche Arbeit” unterzeichnete. Als Abgeordnete der Demokratischen Partei hat sie ihre ganz eigene Sicht auf heutige Erscheinungsformen des offziell nicht mehr salonfähigen Rassismus.
Und die erklärte sie in ihrem Washingtoner Abgeordnetenbüro dem USA-Korrespondenten von euronews, Stefan Grobe. Sie sagt: “ Ihnen dürfte es schwerfallen, genau zu erkennen, wie der Rassenmakel heute durch einige Weiße weiter genährt wird. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es das immer noch gibt.
Rassismus wird in Amerika heute absolut als unschicklich angesehen, aber es gibt ihn noch. Es ist nur schwerer geworden, ihn direkt zu identifizieren.”
Laut Berechnungen der Meinungsforscher hätte Obama bei der Wahl 2008 mit sechs Extrapunkten rechnen können, wenn er weiß gewesen wäre.
Eleanor Norton: “Seit Präsident Jimmy Carter 1977 hat kein Präsident der Demokraten mehr eine Mehrheit bei weißen Wählern bekommen. Da kann man sich vorstellen, wie schwer das erst für einen schwarzen Präsidenten sein dürfte.”
Die zuständigen US-Behörden haben Zahlen zur Bevölkerungsstruktur veröffentlicht. Danach ist die Geburtenrate bei allen nicht-weißen Gemeinschaften zusammen höher als bei den weißen Amerikanern. Das wird zur Folge haben, dass demnächst “weiß”
nicht mehr die Hautfarbe der Bevölkerungsmehrheit sein wird.
Eleanor Norton: “In gar nicht ferner Zukunft wird dies ein Land mit mehrheitlich farbigen Menschen sein. Es gibt hier in einer bestimmten Generation Leute, für die das eine Bedrohung darstellt. Die Person des Präsidenten ist verbunden mit all den großen Veränderungen in der modernen Gesellschaft.”
Eleanor Norton verweist auch auf die absurden Anwürfe gegen Obama wegen seiner Abstammung, sogar die Echtheit seiner Geburtsurkunde war angezweifelt worden.
Eleanor Norton: “Für die gilt wirklich: Ein Schwarzer, das ist schon schlimm. Aber ein Schwarzer, dessen Vater eben erst aus Afrika kam, das ist nun wirklich zuviel! Sie sagen, diesen Mann wollen wir nicht, egal, welche Beweise er vorlegt. So etwas werden sie natürlich nie in der Öffentlichkeit sagen.
Es ist aber zu klar vorhanden, als dass man es ausblenden könnte.”
Neben der Rasse ist die Religion zu einem wichtigen Faktor in der US-Politik geworden.
Eleanor Norton hinterfragt aus diese sehr US-amerikanische Eigenheit. “Es ist wichtig, festzustellen, dass die Region im Lande über die letzten 20 Jahre hin politisiert wurde. Die meisten Kandidaten leisten öffentliche Bekenntnisse zu ihrer Religion. Was soll das? Warum? Weil sie hoffen, Wähler werden ihnen das als Wert zugute halten. Sogar der Präsident sprach über sein Christentum!”
Der aktuelle Riß quer durch Amerika betrifft das Werteverständnis. Das merkt etwa an der Abtreibungsfrage. Mehr als 35 Jahre, nachdem der Oberste Gerichtshof dieses Recht festgeschrieben hat, wird es im Wahlkampf wieder infrage gestellt.
Eleanor Norton:
“Sehen Sie sich den Streit um Abtreibung an.
Wir respektieren, dass Menschen aus Gewissensgründen dagegen sind. Viele von uns wollen mit denen nichts zu tun haben, die per Gesetz ihre Überzeugung anderen aufzwingen wollen. Das passt nicht in eine freie Gesellschaft, in der Religion respektiert wird, aber nicht alle Bereiche des öffentlichen Lebens durchzieht.”
Über elf Wahlperioden hin hat die Politikerin im Abgeordnetenhaus auf verschieden Feldern Erfahrungen gesammelt. In den USA wird sie als eine der hundert wichtigsten Frauen angesehen.