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Türkei macht israelischen Militärs in Abwesenheit den Prozess

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Türkei macht israelischen Militärs in Abwesenheit den Prozess

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Zweieinhalb Jahre nach dem umstrittenen
Militäreinsatz gegen ein türkisches Schiff mit neun Toten macht die Justiz in Istanbul vier früheren israelischen Kommandeuren einen Prozess in Abwesenheit. Die Staatsanwaltschaft forderte mehrfach lebenslange Haftstrafen für die israelischen Militärs.

Die türkische Fähre “Mavi Marmara” wollte im Mai 2010 demonstrativ Israels Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen und wurde vom israelischen Militär daran gehindert.

Vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul wurden israel-feindliche Parolen gebrüllt. “Die Israelis meinen, sie können sich alles herausnehmen, aber jetzt werden sie vor Gericht gestellt”, erklärt Anwalt Zekeria Yapicioglu.

Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums, Yigal Palmer, nannte die Vorgänge in der Türkei “wie aus einem Kafkaroman”. Palmer sagte: “Wie kann das ein Prozess sein? Die Angeklagten, also die sogenannten Angeklagten, sind ja nicht einmal darüber informiert worden, dass ein Prozess gegen sie stattfindet.”

Angeklagt sind in Istanbul der frühere Generalstabschef Gabi Aschkenasi, der Ex-Chef des Militärgeheimdienstes, Amos Yadlin, der frühere Chef des Luftwaffen-Geheimdienstes, Avishay Levi, sowie Ex-Marinekommandeur Elieser Marom.

Den Beschuldigten wird unter anderem Totschlag,
Freiheitsberaubung und illegale Konfiszierung von Schiffen in internationalen Gewässern vorgeworfen.

Eine Verurteilung hätte für die Angeklagten zunächst keine unmittelbaren Folgen, könnte aber die politischen Spannungen zwischen der Türkei und Israel neu anheizen.