Eilmeldung

Eilmeldung

"Wir-Partei" mit Katrin und Jürgen - Claudia doch nicht out...

Sie lesen gerade:

"Wir-Partei" mit Katrin und Jürgen - Claudia doch nicht out...

Schriftgrösse Aa Aa

Die deutschen Grünen haben in einer Urwahl überraschend die 46jährige Katrin Göring-Eckardt und den 58jährigen Jürgen Trittin zu ihrem Spitzenduo für die Bundestagswahl im Herbst 2013 gewählt. Das mit 71,9 Prozent beste Ergebnis erzielte der Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen im Bundestag Jürgen Trittin, der in seiner Zeit als Umweltminister in der rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder den Atomausstieg durchgesetzt und das Dosenpfand eingeführt hat. Jürgen Trittin gilt als zuweilen überheblich und als politischer Taktierer, aber auch als konsequenter Verfechter seiner Ideen. So ist der Bremer Trittin im Sommer als Umweltbotschafter des Fussballclubs Werder Bremen zurückgetreten, weil der Verein den Gefügelproduzenten Wiesenhof als Trikotsponsor ausgewählt hatte. Trittin wollte nicht mit Massentierhaltung in Verbindung gebracht werden. Anders als der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der wegen seiner exorbitanten Honorare in der Kritik steht, spendet Jürgen Trittin seine Einnahmen aus Vorträgen und Fernsehauftritten grundsätzlich.

Die wahre Überrraschung aber ist das mit 47,6 Prozent sehr gute Ergebnis der gebürtigen Thüringerin Katrin Göring-Eckardt. Sie schnitt deutlich besser ab als Renate Künast, die nur 39 Prozent der Grünen Basis überzeugte und schon bei ihrer Bewerbung um den Posten als Berliner Bürgemeisterin einen Dämpfer erlitten hatte.

Die größte Enttäuschung erlebte die langjährige Europaabgeordnete und Spitzenpolitikerin der Grünen Claudia Roth. Obwohl die ehemalige Rockmusik-Managerin als Frau der Basis gilt, kam Roth nur auf 26 Prozent der Stimmen und dachte am Wochenende sogar über einen Rückzug aus der Parteipolitik nach.

Die deutsche Presse lobt die Wahl der Grünen-Basis mehrheitlich als die richtige Entscheidung. Katrin Göring-Eckardt, die ihr Amt als Präses der Synode der Evangelischen Kirche jetzt erst einmal ruhen lassen will, steht für mehr soziale Politik, die niemanden auf der Strecke lassen will. Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Göring-Eckardt versteht die Grünen als “Wir-Partei”. “Das Beste kommt noch”, verkündet Katrin Göring-Eckardt optimistisch auf ihrer Internet-Seite . Bei der Bekanntgabe des Urwahl-Ergebnisses bezeichnete die Bundesgeschäftsführerin der Partei Steffi Lemke, die wie Göring-Eckardt aus der DDR stammt, die Wahl als “klug” und ihre Parteikollegin als “Kämpferin für soziale Gerechtigkeit” und “Anwältin der Ärmsten”.

Katrin Göring-Eckardt ist in der evangelischen Kirche fest verankert, mit einem Pfarrer in Thüringen verheiratet, und sie hat zwei erwachsene Söhne, von denen sie einen bei der Pressekonferenz nach ihrer Wahl in Berlin in die Arme schließen konnte.
Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages will ganz gewiss niemanden ausschließen. So plädierte kge, wie Katrin-Göring Eckardt im Twitter-Zeitalter auch heißt am Sonntag dafür, die unterlegene Claudia Roth in der kommenden Woche als Parteichefin zu bestätigen. Dies war nur eine der zahlreichen Solidaritätsbekundungen, die die 57jährige Roth an diesem Wochenende als Trost für ihr mieses Wahlergebnis erhielt. Und am Montag erklärte sie dann auch, dass sie für den Parteivorsitz kanidieren wird.