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Massenhafte Rausschmisse in Spanien nach einem Gesetz von 1909

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Massenhafte Rausschmisse in Spanien nach einem Gesetz von 1909

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“Ich bin niedergeschlagen, ich fühle mich schlecht. Ich kann nicht mehr schlafen. Ich wache immerzu auf mit dem Gedanken, morgen könnten wir unser Heim verlassen müssen, weil es die Bank verlangt. Und wohin dann? Der Bankdirektor hat uns gesagt, auch wenn wir exmittiert werden, die Schulden werden wir nie los, die müssen wir unser Leben lang abzahlen.” Das sagt Fabian, der mit seiner Frau Mariuxi und dem heute 14jährigen Sohn vor zehn Jahren aus Ecuador nach Spanien kam. Beide arbeiteten fleißig und meinten sich vor vier Jahren ihren Traum von einer eigenen Wohnung erfüllen zu können. Er arbeitete als Kraftfahrer, sie als Kinderfrau. Dann verloren beide ihre Arbeit und fürchten nun, mit ihrem 14jährigen Sohn auf die Straße gesetzt werden.
Seit 2008 sind rund 400.000 säumige Zahler von den Banken aus ihren Wohnungen vertrieben worden – nach einem Gesetz aus dem Jahr 1909.
Inzwischen gibt es landesweit 500 Exmittierungen pro Tag. 70 % der Schulden spanischer Haushalte haben mit Immobilienkrediten zu tun.
Am Freitag sprang eine 53jährige Frau aus dem Fenster in den Tod, als sie das Räumungskommando anrücken sah. Es war nicht der erste Selbstmord eines von Räumung bedrohten Bürgers. Nun verspricht die Regierung zu handeln, hat sogar das Gespräch mit der Opposition gesucht, um einen Ausweg zu finden. Rosa de la Fuente leitet im nordspanischen Baskenland eine Vereinigung von Bürgern, die Probleme mit ihrem Immobilienkredit haben. Aus ihrer Sicht muss dringend das mehr als hundert Jahre alte Gesetz geändert werden. Sie verlangt ein Moratorium, das den Opfern der schlechten wirtschaftlichen Lage hilft. Der Europäische Gerichtshof hat das alte spanische Gesetz für unvereinbar mit dem heutigen Verständnis von Menschenwürde bezeichnet. Damit nun auch die spanische Politik entsprechend handelt, protestieren Bürger auch bei Nacht und Kälte.