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Jassir Arafats mysteriöses Sterben
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Ramallah im Oktober 2004. Zu diesem Zeitpunkt sitzt Palästinenserpräsident Jassir Arafat wie ein König ohne Land festgehalten in seinem Amtssitz Muqataa. Seit mehr als zwei Jahren! Von Regieren kann längst keine Rede mehr sein. Und auch sein Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide. Dort entstehen am 28. Oktober 2004 die letzten Bilder des 75jährigen kranken Mannes im Kreise von Gefährten. Er ist unübersehbar schwerkrank. Seine tunesischen Ärzte sprechen von einer schlimmen Grippe. Anderslautende Gerüchte machen schon damals die Runde, was nicht verwundert, hatte er doch diverse Mordanschläge überlebt.
Die mit der Tochter in Paris lebende Ehefrau Souha hatte lange mit Israel über die Zusage verhandelt, Arafat nach einer Behandlung im Ausland wieder einreisen zu lassen. Am 29. Oktober 2004 läßt sich der Palästinenserführer nach Frankreich ausfliegen.
Israel hatte schließlich zugesagt, seine Rückkehr zu erlauben. Wie er vor dem Einsteigen Kußhändchen wirft, diese Bilder werden als die letzten vom lebenden Jassir Arafat in die Geschichte eingehen.
Was dann im französischen Militärkrankenhaus Percy noch für ihn getan werden konnte, bleibt im Dunkeln. Auch sein genauer Todeszeitpunkt. Fakt ist: Potenzielle Nachfolger drängten sich um den Sterbenden, streiten mit der Ehefrau. Da wird tagelang nach einem “schwarzen Notizbuch” gesucht, in dem die “schwarzen Kassen” der Palästinenser verzeichnet sein sollen. Denn dass Arafat mit den seinem Volk zugedachten Spenden vor allem von der EU verfuhr wie ein selbstherrlicher Fürst, das war bekannt. Zum offiziellen Todestag wurde der 11. November 2004 erklärt. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac läßt den Sarg mit allen einem Staatsoberhaupt gebührenden Ehren von der Luftwaffe nach Kairo fliegen, wo Staatsgäste aus aller Welt zu einer schnell einberufenen Trauerfeier zusammenkommen. (So schnell übrigens, dass der Kairoer Flughafen den Andrang nicht bewältigen kann und deutsche Außenminister Joschka Fischer erst landen darf, als seine Kollegen schon wieder abfliegen.) Kairo ist natürlich eine Notlösung, weil völlig klar ist, im Palästinensergebiet kann für Staatsgäste keinerlei Sicherheit gewährleistet werden – ganz abgesehen von der israelischen Haltung dazu.
Das sollte sich dann auf dramatische Weise bestätigen. Der Hubschrauber, der den Sarg aus Kairo auf das eigentlich abgesperrte Moquata-Gelände bringt, kann zunächst nicht landen, weil sich viel zu viele Menschen dort drängen. Arafats von Korruption geprägte Amtszeit verfolgt ihn noch im Tode. Seine Leute sind nicht in der Lage gewesen, irgend eine Art von Ordnung für die Beisetzung herzustellen, um ihrem Chef in Würde die letzte Ehre zu erweisen. Als der Hubschrauber endlich landet, greifen zugleich unzählige Hände nach dem Sarg, zerren ihn heraus, können ihn aber nicht halten, weil hinter ihnen schon die nächsten zerren. Der Sarg fällt zu Boden. Es dauert Minuten, ehe die Kameras, die das alles LIVE in alle Welt übertragen, den Sarg wieder vor das Objektiv bekommen. Dieses Chaos läßt ahnen, wie chaotisch es nach Arafat weitergehen sollte. Wobei die Verschwörungs- und Mordgerüchte nie verstummten. Denn Todfeinde hatte der charismatische Palästinenserführer Zeit seines Lebens mehr als genug.

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