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Das internationale Filmfestival von Thessaloniki mit Wettbewerb, Retrospektiven, Sondervorführungen und einem rührigen Filmmarkt ist das wichtigste seiner Art in Griechenland. Auch das Publikum hält dem Festival eifrig die Stange, trotz Wirtschaftskrise und knapper Kassen. Wie das möglich ist, erklärt Festivaldirektor Dimitri Eipides.
“Unsere Tickets sind extrem billig. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eine extrem harte Krise erleben. Die Menschen haben nicht genug Geld, um sich Filme anzuschauen, auch wenn es gute Filme sind, auf einem Festival. Bei uns läuft es erstaunlich gut.”
Eine Retrospektive war in diesem Jahr Aki Kaurismäki gewidmet, dem finnischen Großmeister skurriler Sozialmärchen. Bestes Beispiel ist sein jüngster, international viel beachteter Streifen, “Le Havre” von 2011.
Bekannt ist der Mann aus dem hohen Norden für politisch unkorrekte Auftritte. Interviews mit dem einsilbigen Filmemacher sind eine echte Herausforderung. euronews-Reporter Wolfgang Spindler hat’s trotzdem versucht.
Wolfgang Spindler: “Wie kam es eigentlich zu der Entscheidung, als Regisseur Karriere zu machen?”
Aki Kaurismäki: “Eigentlich wollte ich Schriftsteller werden, wohl wissend, dass ich dafür einfach nicht gut genug war. Ich sagte mir, versuch es eine Weile mit Kino, das dauert bis heute an.”
Wolfgang Spindler: “Sind Ihre Filme auch Unterhaltung?”
Aki Kaurismäki: “Ja, was denn sonst? Wenn sie nicht unterhaltsam wären, würden sie nicht gezeigt. Ich mache Filme für Menschen, die fünf Arbeitstage hinter sich haben und am Freitag Abend entspannen und ins Kino gehen wollen. Das Popcorn habe ich aber nicht erfunden.”
Wolfgang Spindler: “Haben Sie neue Filmprojekte? Was dürfen wir als nächstes erwarten?”
Aki Kaurismäki: “Tja, jetzt werde ich erstmal gefüllte Weinblätter zu Mittag essen. Filmideen habe ich keine!”

Ebenfalls in Thessaloniki mit einer Werkschau geehrt wurde der Rumäne Cristian Mungiu.
2007 erhielt der Filmemacher die Goldenen Palme von Cannes für sein Abtreibungsdrama “4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage”, der Beginn seiner internationalen Karriere.
Wolfgang Spindler: “Ihnen zu Ehren wird hier eine Retrospektive gezeigt, macht Sie das nicht ein wenig älter als Sie eigentlich sind?”
Cristian Mungiu: “Es ist schon merkwürdig, aber gleichzeitig finde ich es angenehm, dass mich jemand als Filmemacher so interessant findet, dass er mir eine Retrospektive widmet. Dass das nicht stimmt, wird man noch merken. Ich will den Leuten nicht vorschreiben, was sie denken sollen. Ich möchte sie dazu anregen, zu verstehen, was die Geschichte ihnen zu sagen hat und vor allem ihre eigenen Wertevorstellungen zu überdenken.”
Die große Überraschung des diesjährigen Festivals von Thessaloniki war der israelische Wettbewerbsbeitrag “Epilogue”. Regisseur Amir Manor nahm gleich vier Auszeichnungen entgegen, den Sonderpreis der Jury, den Bronzenen Alexander für das beste Drehbuch, den Publikums- und Menschenrechtspreis.
Der Film handelt von einem alten Paar, das der Generation der israelischen Pioniere angehört und sich in der heutigen Gesellschaft nicht wieder erkennt. Die beiden beschließen einen letzten, verzweifelten Protestakt.
Amir Manor: “Dieser Film ist, glaube ich, für Griechenland in diesen Tagen von Bedeutung. Die Situation in Israel ist nicht viel anders, als in Griechenland. Der Film berührt viele junge Menschen, nicht nur alte. Er zeigt ihnen, dass sie sich um ihre Zukunft sorgen sollten, denn sie ist längst nicht so weit entfernt, wie sie glauben. Sie sollten sich an der Demokratie beteiligen und um ihre Zukunft sorgen.”

“Boy Eating the Bird’s Food” erhielt den Preis der internationalen Filmkritik. Das Regiedebüt von Ektoras Lygizos zeigt einen jungen Mann, der in Athen auf der Straße lebt. Yannis Papadopoulos ist der Hauptdarsteller.
Wolfgang Spindler: “Ist der Preis hilfreich für Ihr nächstes Filmprojekt?”
Ektoras Lygizos: “Der Preis ist wunderbar. Aber für die Zukunft braucht man frisches Material, Träume und neue Erfahrungen.”
Wolfgang Spindler: “Und Geld!!”
Ektoras Lygizos: “Ja, viel Geld!”

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