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"Ja, es gibt Leben im All"

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"Ja, es gibt Leben im All"

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Ungeachtet der europäischen Schuldenkrise, greift der Kontinent nach den Sternen. Die hat die EU nicht nur auf ihre Flagge, sondern auch im Universum fest im Blick. Doch warum und in welchem Ausmaß? Antworten auf diese Fragen gibt heute in Italk der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Jean-Jacques Dordain.

Taylor: “Guten Tag, Herr Dordain.”

Dordain: “Guten Tag.”

Taylor: “Sie schauen selbst gerne in die Sterne.”

Dordain: “Ja, ich schaue mir gerne die Sterne an, das ist sehr entspannend.”

Taylor: “Sie leiten also nicht nur, Sie beobachten auch?”

Dordain: “Ich beobachte auch. Das ist sehr wichtig. Ich bin der ESA-Chef, ich verwalte die Behörde, aber ich träume auch noch immer.”

Taylor: “Das Prinzip von I TALK: schnelle Fragen, schnelle Antworten. Wir beginnen mit der ersten Frage.”

Carlos aus Spanien: “Im Kontext der aktuellen Schludenkrise in Europa, ist es da zu rechtfertigen viel Geld für Weltraumforschung auszugeben?”

Taylor: “Ich habe gelesen, dass ihr Budget rund vier Milliarden Euro beträgt. Sind das die Mittel zur Weltraumerforschung?

Dordain: “Ja, vier Milliarden Euro sind umgerechnet in etwa 10 Euro pro EU-Einwohner im Jahr.”

Taylor: “Das ist aber immer noch teuer.”

Dordain: “Das ist immer noch teuer, aber es gibt keinen Europäer, der ohne Satelliten auskommen würde. Der Weltraum wird täglich benutzt, es sind nicht die Sterne, sondern das All, das das Leben auf der Erde verbessert.”

Taylor: “Erklären Sie uns bitte, wie das Budget verwendet wird. Finanzieren die Länder die ESA direkt? Es sind ja mit der Schweiz und Norwegen nicht nur EU-Länder Mitglied der ESA.”

Dordain: “Ja, die ESA ist eine zwischenstaatliche Organisation, der 20 Mitgliedsländer angehören, zwei von ihnen sind aber nicht in der EU. Die Schweiz und Norwegen. Drei Milliarden Euro werden von den ESA-Mitgliedern direkt gezahlt, eine Milliarde kommt von der Europäischen Kommission. Wir arbeiten auch im Namen der Europäischen Kommission, das umfasst Programme wie Galileo und GMS.”

Taylor: “Zweite Frage in Italk für Herrn Dordain.”

Charline: “Hallo, ich heiße Charline und komme aus Belgien. Gibt es Pläne, in den kommenden Jahren neben dem Mars auch andere Planten zu besuchen?”

Dordain: “Wir haben Mars-Pläne, wir bereiten derzeit zwei Missionen vor: eine für das Jahr 2016 und die andere für 2018.”

Taylor: “Wir, Sie sagen Wir. Sind das wir Europäer? Können wir den Weg alleine gehen oder brauchen wie die Amerikaner oder die Russen?”

Dordain: “In diesem Fall machen wir es in Kooperation mit den Russen, denn es geht nicht mehr darum, einen Planeten zu erobern um dort als Erster die Flagge zu setzen. Diese Zeiten sind vorbei. Planetenerkundung ist heute eine internationale Aufgabe und so arbeiten wir mit allen Weltraum-Nationen zusammen. Wir Europäer kooperieren mit den Amerikanern, den Russen, Chinesen und Japanern. Ja, wir wollen auf dem Mars landen und das mit einer Mission im Jahr 2018. Das wird eine sehr wichtige Mission, denn dann werden wir bis zu zwei Meter tief graben um dort, wenn sie denn existierten, biologische Spuren zu finden. Es ist die Spurensuche nach Leben, in jeglicher Form. Wir wissen, es hat dort auf dem Mars Wasser und auch eine Atmosphäre gegeben. Deswegen suchen wir nach Beweise für Leben auf dem Mars.”

Taylor: “Eine weitere Frage in Italk.”

Martin Lang aus Großbritannien: “Mein Name ist Martin Lang. Ich komme aus Schottland. In jüngster Zeit ist viel die Rede von verstärker wirtschaftlicher Zusammenarbeit in Europa. Würde so eine intensivierte Kooperation auch im Bereich der Raumfahrtforschung möglich sein? Sehen Sie die Zukunft Europas auch im Weltraum? Oder sollten die Länder lieber einzeln arbeiten?”

Taylor: “Haben Sie die gleichen Probleme untereinander so wie beim EU-Haushalt?”

Dordain: “Sie wissen, eine Zusammenarbeit ist immer sehr schwer. Einfacher ist es immer, wenn man nicht kooperiert. Aber wenn es um die Raumfahrt geht, haben wir bewiesen, dass es erfolgreich funktioniert. Alle Aktivitäten finden im Rahmen der Europäischen Weltraumorganisation statt. Das ist im Kontext der Europäischen Union der Fall, es gibt aber auch bi- oder trilaterale Kooperationen zwischen den Mitgliedsstaaten. Es gibt im Weltraum keine nationalen Projekte, denn die Satelliten bewegen sich über Grenzen. Über den Weg der Raumfahrt können wir eine globale Vision schaffen. Deswegen sind internationale Kooperationen so wichtig. Ich denke, das All zeigt ein europäisches Bild, das erfolgreich ist.”

Taylor: “Eine weitere Frage, sehr einfach aber sehr wichtig.”

Mathieu aus Marseille: “Was bringt mir die ESA im täglichen Leben?”

Taylor: “Ich habs Ihnen gesagt: ganz einfach. Also, was bringt sie?”

Dordain: “Also, sie bringt sozusagen drei Dinge: einmal erweitert sie unseren Wissenshorizont. Und wenn man die Planeten anschaut, Venus oder Mars, dann sind es nicht so sehr die anderen Planeten, die uns interessieren, sondern es geht um die Zukunft der Erde. Das heißt, die Erde ist ein Planet unter anderen, und indem man die Venus oder den Mars erforscht, lernt man viel über die Erde. Der Treibhauseffekt zum Beispiel wurde in der Atmosphäre der Venus entdeckt, bevor wir ihn auf der Erde verstanden. Also, es geht um Wissen. Dann geht es um Wettbewerbsfähigkeit, weil wir einzigartige Technologien entwickeln und das steigert unsere Wettbewerbsfähigkeit. Und schließlich bringt es allen Bürgern etwas, zum Beispiel beim Wetterdienst, für Navigations- und Kommunikationssysteme. Heute kann kein Europäer mehr ohne Satelliten leben, auch wenn er es vielleicht gar nicht weiß. Das zeigt, dass der Weltraum ein guter Ort für uns ist.

Taylor: “Und hier eine Frage aus Kasachstan: Hallo Jean, mein Name ist Nurtay und ich bin aus Kasachstan. Meine Frage: Hat die Galaxie eine Grenze oder ist sie unendlich? Ich denke, es ist nicht einfach das zu beantworten. Ich würde aber trotzdem gerne Ihre Meinung dazu wissen. Seit meiner Kindheit stelle ich mir und anderen Menschen diese Frage. Bislang habe ich keine konkrete Antwort erhalten. Danke für Ihre Antwort.”

Dordain: “Eine Galaxie ist eine Ansammlung von Sternen, daher hat sie ganz klar eine Grenze und ein Ende, sie ist also nicht unendlich. Aber vielleicht bezieht sich die Frage nicht auf eine Galaxie sondern auf das Universum an sich, das wiederum eine Ansammlung von Galaxien ist. Das Universum hat keine Grenzen, aber es ist auch nicht unendlich. Es ist nicht einfach, das zu beschreiben, aber die Experten haben mir das so erklärt, dass man sich eine Ameise vorstellen soll, die auf einem Ball läuft. Diese Ameise trifft auch auf keine Grenzen, aber sie befindet sich auf einer endlichen Oberfläche. Ich glaube, so muss man sich das mit dem Universum auch vorstellen. Aber ich muss auch klar sagen: Mindestens 97 Prozent des Universums sind uns noch völlig unbekannt. Unser Wissen darüber ist sehr sehr begrenzt. Das heißt, was ich heute sage, soll man mir in 100 Jahren nicht zum Vorwurf machen.”

Taylor: “Ich hoffe, Nurtay ist mit dieser Antwort zufrieden. Eine letzte Frage bei Italk: Sarang aus Finnland will wissen, ob die derzeitige Krise Auswirkungen auf den Start von Galileo hat, und wenn ja, in welchem Umfang.”

Dordain: “Nein, es gibt keine Verzögerungen, wir haben bereits vier Galileo-Satelliten ins All geschossen. Galileo ist also Realität, vier Satelliten sind im Orbit und ich habe veranlasst, dass weitere 18 Satelliten vor Ende 2014 nach oben gebracht werden. Das werden wir tun. Die Wirtschaftskrise hat darauf keinen Effekt, denn die Verträge sind unterschrieben und der wirtschaftliche Nutzen von Galileo ist enorm. Das wird den Verkehr verbessern und daher ist der wirtschaftliche Wert des Programms enorm. Die Wirtschaftskrise zwingt uns schlicht, noch mehr auf jeden einzelnen Euro zu achten, den wir ausgeben, und das machen wir gemeinsam mit der EU-Kommission.”

Taylor: “Herr Dordain, was glauben Sie, ganz ehrlich: Gibt es da draußen intelligentes Leben?”

Dordain: “Ich für meinen Teil bin mir da ganz sicher, denn es gibt statistisch gesehen keinen Grund, dass es nur einen einzigen Ort im ganzen Universum geben sollte, wo es Leben gibt. Wissen Sie, vor 15 Jahren hatten wir noch keinen einzigen Planeten außerhalb unseres Planetensystems gesehen. Jetzt entdecken wir alle zwei Wochen einen neuen. Daher ist man sicher, es gibt eine ganze Menge an Planeten im Universum und es würde mich sehr wundern, wenn es nicht irgendwo Leben gäbe. Sicher nicht so, wie hier auf der Erde, aber dass es irgendeine Art von Leben gibt, ja, das glaube ich.”

Vielleicht schauen sie sogar euronews. Herr Dordain, vielen Dank für Ihre Antworten und vielen Dank Ihnen für die Fragen. Wir sehen uns bald wieder zu einer neuen Ausgabe von Italk, herzlichen Dank auch an das Mediendepartment vom Europaparlament in Brüssel. Bis bald.