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Wieder Krieg in Nahost - wofür?

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Wieder Krieg in Nahost - wofür?

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Israelische Reservisten treffen bei ihren Einheten ein. Jeden Moment könnte der Befehl zum Einsatz der Bodentruppen kommen. Während die Regierung noch sagt, sie bevorzuge den diplomatischen Weg, werden bereits Reservisten eingezogen. Und der israelische Regierungschef Netanjahu machte eine moralische Rechnung auf. Wörtlich: “Es gibt keine moralische Ausgewogenheit. Denn die Terroristen im Gazastreifen begehen gleich zwei Kriegsverbrechen: Sie beschießen die israelische Zivilbevölkerung und sie verstecken sich hinter der palästinensischen Zivilbevölkerung. Israel hingegen versucht alles, um zivile Opfer zu vermeiden.”

Da waren dann wohl die Opfer, die in Gaza aus den Trümmern gezogen werden, nicht zu vermeiden, folgt man Netanjahus Logik? Die aktuellen Bilder erinnern an ähnliche Situationen im Winter 2008/2009. Damals kostete Israels Offensive “gegossenes Blei” um die 1.400 Palästinenser das Leben. An diesem 19. November 2012 wurden bis 14 Uhr Mitteleuropäischer Zeit im Gazastreifen 95 Tote gezählt, auf israelischer Seite drei. Diese Israels starben durch Raketen aus dem Gaza-Streifen. Dass es dort nicht mehr Tote gab, hat auch mit dem Abwehrsystem “Eisenkuppel” zu tun, das viele anfliegende Raketen noch in der Luft zerstört. Während die Hamas von ihren iranischen Freunden bis zu 75 Kilometer weit reichende Raketen bekommen hat, hat die israelische Armee ihr Abwehrsystem so ausgebaut, dass es auch Ballungsräume wie Tel Aviv schützen kann. Beide Seiten haben seit dem letzten Waffengang militärisch kräftig aufgerüstet, was Verhandlungen über eine Feuereinstellung eher erschwert. Allerdings machen den militanten Palästinensern zunehmend Rivalitäten in den eigenen Reihen zu schaffen. Diese erschweren es den einzelnen Gruppen, sich auf gemeinsame Bedingungen gegenüber Israel zu einigen. Da sind nicht nur die Kassam-Brigaden als militärischer Flügel der Hamas. Da ist der in den 1970er Jahren gegründete “Dschihad”, der Israel vernichten will und nach westlichen Erkenntnissen vom Iran fianziert wird. Da sind die sogenannten “Volkswiderstandskomitees”, die einst als Gegenpol zu den feindlichen Brüdern von der Fatah gegründet wurden. Auch Salafisten mischen mit. Und auf beiden Seiten sind politische Machtinteressen im Spiel. In Israel schielen die Verantwortlichen schon auf den nächsten Wahltermin. In der arabischen Welt werden nach dem “arabischen Frühling” die Karten gerade neu gemischt. Und mittendrin leiden – wie immer – die Schwächsten.