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Israel-Gaza, wer hilft da wem?

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Israel-Gaza, wer hilft da wem?

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Dieser Rauch über Gaza stieg im Januar 2009 auf.
Unter dem Codenamen “gegossenes Blei” ging die israelische Militäraktion in die konfliktreiche Geschichte der Region ein. Fliehende palästinensische Zivilisten – am Ende der Operation wurden 1.400 Tote gezählt. Auf israelischer Seite waren es 13. Dann kamen die israelischen Panzer.

Genützt hat das alles, wie man seither sehen konnte, gar nichts. Die erbitterte Feindschaft zwischen der im Gazastreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas und Israel dauert an. Dafür hat sich das Umfeld verändert. Stichwort “arabischer Frühling”. In Kairo wurden die Bilder des Langzeitherrschers Husni Mubarak abgenommen.

Statt seiner regiert jetzt der Muslimbrunder
Mohamed Mursi, was die Beziehungen zu Israel um einiges komplizierter gemacht und das Kräfteverhältnis in der Region zu Israels Ungunsten verändert hat. Erst eine Woche ist es her, seit Hisham Kandil, der ägyptische Regierungschef, die Hamas mit seinem offiziellen Besuch in Gaza aufwertete. Über Ägypten gelangen die meisten Waffen und Bauteile für die Raketen, die auf Israel abgefeuert werden, in den Gazastreifen. Der Grenzübergang Rafah ist der wichtigste Zugang zum Gazastreifen überhaupt. Vor knapp einem Monat erhielt die Hamas durch einen anderen hochrangigen Besuch moralische und vor allem finanzielle Hilfe. Erstmals kam der Emir von Katar zu Besuch mit rund 300 Millionen Dollar als Gastgeschenk. Politisch wichtig war daran: Israel hatte seine Zustimmung gegeben – wohl weil sich die bisherigen Blockademaßnahmen als wirkungslos erwiesen hatten. Als erbitterter Gegener Israels zeigt sich in diesem Konflikt die Türkei. Die Spannungen dauern an, seit israelisches Militär im Mai 2010 ein türkisches Schiff der “Gaza-Hilfsflotte” angegriffen und Aktivisten getötet hatte.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan
verurteilte vor dem Parlament in Ankara, dass Israel erneut Gaza ins Visier genommen habe.
Unschuldige Kinder würden getötet mit Begründungen, die niemanden zufriedenstellen könnten. Erdogan wörtlich: “Wer diese gesetzwidrigen Angriffe als `Selbstverteidigung`rechtfertigt, ermutigt Israel zu weiteren Μassakern.”

Dabei hatten Israel und die Türkei einst im Jahr 1996 sogar einen Vertrag über militärische Zusammenarbeit unterzeichnet. So sehr können sich Beziehungen zwischen Staaten ändern.

Euronews
Ahmed Oleida, Sie waren als ägyptischer Politik-Analyst gerade in Gaza. Κnapp vier Jahre sind vergangen zwischen der israelischen Militäroperation “gegossenes Blei” und den nun wieder in Gaza aufsteigenden Rauchsäulen .
In dieser Zeit hat sich die Lage im Nahen Osten durch den “arabischen Frühling” politisch und strategisch verändert. Hat sich das nach ihrer Meinung verschärfend auf den palästinensisch-israelischen Konflikt und besonders jenen mit der Hamas ausgewirkt?

Ahmed Oleiba
Sicher gibt es Auswirkungen des “arabischen Frühlings” auf die Hamas und die gesamte Palästinenserfrage. Man muss auch die Veränderungen in Ägypten berücksichtigen.
Das Land hat eine zentrale Rolle gewonnen bei den Verhandlungen zwischen beiden Konfliktparteien und bei den Kontakten zur internationalen Gemeinschaft. Ägypten spielt zweifellos wieder eine aktive Rolle. Es haben sich aber auch die Achsen verschoben. Die Hamas hat Syrien verloren, sie ist abgeschnitten von ihrem langjährigen Unterstützer Assad. Nachdem sie zunächst für die syrischen Rebellen Partei ergriffen hatte. Inzwischen gibt es auch Spannungen in den Beziehungen zwischen Hamas und Iran.

euronews
Sie waren mit einer ägyptschen Delegation im Gazastreifen. Hätte nach Ihrer Meinung Israel eine andere Möglichkeit auf die Raketen aus dem Gazastreifen zu antworten?

Ahmed Oleiba
Ja, ich stelle mir vor, dass Israel im Sinne seiner nationalistischen Theorie Botschaften auszusenden versucht an die extremen Kräfte, die zu den Siegern des “arabischen Frühlings” gehören. Israel will die ägyptische Reaktion testen, will herausfinden, wieweit die aktuelle Regierung dort zu gehen bereit ist mit ihren Vorstellungen von Sicherheit. Wie könnten Beziehungen zwischen Ägypten und der Hamas aussehen? Wieweit könnten die das ägyptisch-israelische Verhältnis beeinflussen, das vor mehr als 30 Jahren im Camp-David-Abkommen festgeschrieben wurde? Oder verfolgt Ägypten vielleicht ganz pragmatisch seine eigenen, sehr speziellen Interessen? Das wollen die Israelis herausfinden.

euronews
Gibt es nach den arabischen und internationalen Reaktionen eine Perspektive für eine politische Lösung, die dann auf lange Sicht auch zu einer dauerhaften Lösung des israelischen-palästinensischen Konfliktes führen könnte?

Ahmed Oleiba
Diese Frage habe ich während meines Aufenthaltes in Gaza den Führern der Hamas auch gestellt. Möglicherweise befürworten die einfachen Palästinenser auf der Straße Ideen wie:
Erstmal die Absichten beider Seiten testen und jede Sache hat ihren Preis. Und was einen Waffenstillstand anbelangt, so sagen die Führer der verschiedenen Palästinenserfraktionen, der Preis sei möglicheweise sehr hoch und deshalb werde die israelische Seite ihn nicht akzeptieren. Die Palästinenser wollen zurück zu den Grenzen vor 1967 und sie wollen ganz Jerusalem als ihre Hauptstadt. Angesichts solcher Forderungen spreche ich von einem “für Israel unannehmbaren Angebot”