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Moderne Schmerztherapie

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Moderne Schmerztherapie

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Unzählige Tabletten werden jährlich gegen Schmerzen verschrieben, aber sind sie wirklich das beste Mittel dagegen? Oder gibt es bessere Methoden? Die Ausstellung “Pain Less: the future of relief” im Londoner Science Museum präsentiert neue Behandlungen und Techniken zur Schmerztherapie.

Können Vogelspinnen und Schlangen chronische Schmerzen lindern? Ein Biss dieser Tiere verursacht vielleicht Juckreiz oder schmerzende Schwellungen, aber ihr Gift ist möglicherweise der Schlüssel zur modernen Schmerztherapie.

Wissenschaftler suchen nach Mitteln gegen akute und chronische Schmerzen, wie sie bei Multipler Sklerose oder Arthritis auftauchen. Es gibt zwar viele Schmerzmittel auf dem Markt, aber ihre Nebenwirkungen beeinträchtigen ihre Wirkung. Unternehmen wie Venomtech suchen nach besseren Lösungen.

Steven Trim, Gründer von Venomtech:
“Gifte können tatsächlich die Gene, die für die Schmerzbewältigung zuständig sind, besser aktivieren und steuern als moderne Medikamente. Deshalb untersuchen wir das Gift der Vogelspinne und da gibt es insbesondere einen Giftstoff, der auf einem Gen aktiv ist, das bei einer Mutation Menschen schmerzunempfindlich werden lässt. Das Gift der Vogelspinne blockiert dieses Gen bei Menschen ohne Mutation und die Hoffnung ist, dass damit auch der Schmerz ausgeschaltet wird.”

Wissenschaftler auf der ganzen Welt versuchen, diese Mutation zu entschlüsseln. Aber Schmerz ist mehr als eine einfache körperliche Reaktion. Jeder Mensch fühlt ihn anders.

An der Universität Oxford wird mit modernen Scan-Techniken untersucht, was im menschlichen Gehirn beim Empfinden von Schmerz passiert. An einem Freiwilligen wird mithilfe eines Instruments (von Frey Filament) die Schmerzempfindlichkeit untersucht.

“Es ist überraschend effektiv, während sie mir traurige Musik vorspielten, baten sie mich negative Aussagen über mich zu lesen, die mich in eine Depression oder einen ähnlichen Gemütszustand versetzen sollten und dann, als ob das nicht schon schlimm genug war, haben sie mich mit Hitze traktiert”, so Forscher Melvin Mezue:

“In Bezug auf chronische Schmerzen gibt es tatsächlich nur sehr wenige pharmakologische Behandlungen und die effektivste ist wahrscheinlich ein Medikament namens Gabapentin, das aber eine ganze Reihe von Nebenwirkungen hat und nur durch Zufall für die Schmerztherapie entdeckt wurde. Es wird eigentlich bei Epilepsie eingesetzt und wir wissen nicht, warum es auch gegen Schmerzen wirkt. Wir haben nicht wirklich ein Mittel, das aus einer vorklinischen Phase entwickelt wurde, dessen Wirkung wir komplett verstehen, um es dann beim Menschen einsetzen zu können.”

Peter King kennt chronischen Schmerzen, er hat Phantomschmerzen seit ihm vor zwanzig Jahren ein Arm amputiert wurde. Er nimmt an einer Schmerzstudie an der Universität Manchester teil.

Peter King: “Die Schwellung in meinen Fingern verliert sich. Es kribbelt nicht mehr, das Brennen war am schlimmsten. Es brennt nicht mehr und mein Arm wird nicht mehr so von Stromstößen getroffen wie vorher, das erlaubt mir, ein ganz normales Leben zu führen.”

Und dann gibt es Menschen, die aufgrund einer genetischen Mutation, die die Signale zwischen Körper und Hirn blockieren, schmerzunempfindlich sind. Zu ihnen gehört Steven Pete. Er hat eine Mutation auf dem Gen SC9A: “Dass diese spezifische Genmutation Menschen mit extremen Schmerzen helfen kann, ist ziemlich aufregend.”

Ein Team von der University of Cambridge untersucht, ob in dieser Genmutation der Schlüssel für eine moderne Schmerztherapie liegt, für eine Schmerzlinderung ohne die bei Medikamenten üblichen Nebenwirkungen.