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Gewinner und Verlierer der Waffenruhe zwischen Israel und Hamas

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Gewinner und Verlierer der Waffenruhe zwischen Israel und Hamas

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Acht Tage dauerten die blutigen Kämpfe zwischen Israel und Hamas. Mindestens 160 Menschen starben, Hunderte wurden schwer verletzt. Seit Mittwoch herrscht nun Waffenruhe, vermittelt durch Ägypten. Der Ministerpräsident der im Gazastreifen regierenden Hamas, Ismail Hanija, hat sich ebenso wie Israels Regierungschef zum Sieger des achttägigen Schlagabtausches erklärt. In einem Gespräch mit Hasni Abidi, dem Leiter des Zentrums für Recherchen und Studien über die arabische und mediterrane Welt in Genf, haben wir dem Nahost-Experten die Frage gestellt, wer aus seiner Sicht die Gewinner und Verlierer sind:

Fawzi Sadallah, Euronews:

Herr Hasni Labidi. Als Leiter des Zentrums für Recherchen und Studien über die arabische und mediterrane Welt in Genf sind sie ein Fachmann, wenn es um den Nahost-Konflikt geht. Israel hat sich am Mittwoch mit der Hamas auf eine Waffenruhe verständigt – nach achttägigen Kämpfen. Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer?

Hasni Abidi, Leiter des Zentrums für Recherchen und Studien über die arabische und mediterrane Welt in Genf:

Ein Gewinner ist sicherlich die Hamas. Sie tritt deutlich gestärkter in Erscheinung – in militärischer, aber auch in diplomatischer Hinsicht. Sie hat sich von Beginn der Verhandlungen an als wichtiger Partner positioniert. Ebenfalls gewonnen hat die Regierung Ägyptens und Präsident Mohammed Morsi. Ungeachtet der zahlreichen internen Schwierigkeiten ist es ihnen gelungen, der Welt zu signalisieren: Wir sind weiterhin ein elementarer Partner, wenn es um den Nahost-Konflikt geht. Ich glaube nicht, dass Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als Gewinner dasteht. Er hat die Ziele nicht erreicht, die er avisiert hatte. Der größte Verlierer ist aber in meinen Augen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, denn es wirkt, als hätten ihn die drei anderen Kräfte, also Israel, die Hamas und die ägyptischen Vermittler, aus den Verhandlungen völlig ausgeschlossen.

Fawzi Sadallah, Euronews:
Es werden Stimmen laut, die besagen, dass sich an der Position Ägyptens nichts geändert hat – außer der Rhetorik?

Hasni Abidid:

Es stimmt, dass die politische Haltung Ägyptens sich nicht geändert hat. Die Tatsache, dass der ägyptische Regierungschef dem Gaza-Streifen einen Besuch abgestattet hat, was ungewöhnlich ist im Vergleich zu der Zeit unter Ex-Präsident Hosni Mubarak, ist aber etwas Neues. Aus diplomatischer Sicht ist sich Morsi im Klaren darüber, dass er nicht weiter gehen kann, als er es getan hat. Dafür reichen weder die politischen noch die militärischen Kapazitäten. Er kann keinen Konflikt mit Israel oder den USA riskieren. Besonders jetzt nicht, da Ägypten wichtige Verhandlungen mit den USA und den internationalen Finanzorganisationen führt.

Fawzi Sadallah, Euronews:

Hat diese Waffenruhe das Potenzial eine Grundlage zu schaffen für ernsthafte Friedensverhandlungen?

Hasni Abidi:

Diese Frage ist in diesem Konflikt essenziell. Leider ist ein Waffenstillstand nicht gleichbedeutend mit Frieden. Der Westen hat bei seinem Hilfsangebot an Israel und die Zivilisten im Gaza-Streifen vergessen, dass es hier um den Konflikt der arabischen Welt mit Israel geht und es da noch einen wichtigen Partner gibt: die palästinensischen Autoritäten. Deren gesetzlicher und friedfertiger Ansatz, gestützt von der UNO, ist gescheitert. Abbas konnte sich weder bei der Internationalen Gemeinschaft noch bei den USA Gehör verschaffen.

Fawzi Sadallah, Euronews:

Welche Auswirkungen werden in Ihren Augen der Syrien-Konflikt und die Spannungen zwischen Iran und dem Westen bezüglich Teherans Nuklear-Programms auf die Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern haben?

Hasni Abidi:

Die Tatsache, dass Iran eingeräumt hat, die Kämpfer in Gaza direkt oder indirekt über die Hizbollah mit Waffen versorgt zu haben, müssen wir als Botschaft an die USA werten: Die lautet:
Wenn Ihr es schwierig findet, mit der Hamas zurechtzukommen, was würdet Ihr wohl tun, wenn ihr es mit uns zu tun hättet, im Falle eines Angriffs auf Iran? International, aber auch auf regionaler Ebene haben Damaskus und Teheran von dem Konflikt in Gaza profitiert.

Fawzi Sadallah, Euronews:

Vielen Dank an Hasni Abidi, Leiter des Zentrums für Recherchen und Studien über die arabische und mediterrane Welt in Genf.