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Truthahnfreuden und Steuerklippen in Washington

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Truthahnfreuden und Steuerklippen in Washington

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Hier wird beste amerikanischen Tradition zelebriert. Der Präsident “begnadigt” einen Truthahn.

Während rund 45 Millionen seiner Artgenossen alljährlich als Amerikas Festtagsessen zu Thanksgiving verspeist werden, darf er auf einer Farm mit allem Truthahn-Luxus alt werden.
Thanksgiving – das Erntedankfest – erinnert an die erste Ernte der englischen Einwanderer 1621, die diese mit den Indianern teilten. Erntedank heisst auch heute in den USA “teilen”, den Armen etwas zukommen lassen. Zuerst aber heisst es: einkaufen!

Konsumieren! So ein 7 Kilo schwerer Vogel kostet mit 18 Dollar schon vier Dollar mehr als vor 2 Jahren. Der Geflügelhändler freut sich über wachsenden Umsatz. Mit den Einkäufen für das Erntedankfest beginnt die entscheidende Shopping-Saison für den US-Einzelhandel. Analysten erwarten aber nur noch eine Steigerung von 3.5 % im Vergleich zum Vorjahr. Weniger als 2011. Und erst recht weniger als 2010. Dabei haben sich die Händler schon den Tag nach Thanksgiving als “black friday” ausgedacht – an dem sie mit besonders großen Preisnachlässen die Kundschaft anlocken.

Die wichtigsten Einzelhandelsketten halten ihre Läden auch am Feiertag offen, schließlich besagen Umfragen, dass 23 % der Kunden nach oder vor dem Festessen trotzdem noch einkaufen gehen.

Und für den billigen “black friday” nehmen sich viele für die Schnäppchenjagd extra frei. Es ist ein fließender Übergang vom Thanksgiving- zum Weihnachtsgeschäft. Das Verbrauchervertrauen hat im November ein Fünf-Jahres-Hoch erreicht, konstatiert euronews-Korrespondent Stefan Grobe, denn der Arbeitsmarkt verbessert sich langsam.
Grobe sieht in dieser Einkaufsfreude aber auch die Furcht vor der “Steuerklippe” am Jahresende. Denn wenn sich Präsident und Opposition nicht über drängende Haushaltsfragen einigen können, steigen dann einige Steuern automatisch und Gelder für Sozialprogramme fehlen.