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Der Blick hinter den Schleier - Fotos von Frauen aus der islamischen Welt

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Der Blick hinter den Schleier - Fotos von Frauen aus der islamischen Welt

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“What if, was wäre wenn?”, fragt die jemenitische Fotografin Bushra Almutawakel. Ihre Bilder, die sich mit der Rolle der Frau in der islamischen Welt befassen, waren auf der jüngsten Paris Photo im Grand Palais zu sehen.
Ihre gewagte Fotoserie, die den Kleiderkodex von Mann und Frau ganz einfach umkehrt, sorgte für Furore im Internet. “Es gab zum Teil äußerst scharfe Kritik, man warf mir vor, ich sei anti-religiös. Ich sollte in der Hölle verbrennen sollte. Einige Männer fühlten sich von mir in ihrer Männlichkeit verletzt, sie glaubten, ich wollte den Islam angreifen. Das war aber nicht der Fall. Es war ganz einfach eine Fantasie in meinem Kopf, die ich fotografisch umgesetzt habe.”
Eine andere Fotoserie zeigt, wie Mutter und Tochter schrittweise unter dem Schleier verschwinden. Wie steht es um die künstlerische Freiheit im Jemen?
“Man kann sich ausdrücken, aber in Grenzen. Für diese Fotoserie zum Beispiel habe ich mit selbst abgelichtet, das war sehr beängstigend. Einen Tag vor der Ausstellung wollte ich alles abblasen, aus Angst vor der Reaktion der anderen, besonders meiner Familie. Ich musste mich selbst fotografieren, weil ich keine andere Frau fand, die dazu bereit war. Immerhin bin ich konservativ gekleidet. Meine Botschaft ist deutlich, aber hält sich an die Grenzen, ich trage keinen Bikini.”
Auch Newsha Tavakolian befasst sich mit der Situation der Frau in ihrer Heimat Iran, ein Land, in dem Sängerinnen nicht öffentlich auftreten dürfen, zumindest nicht, wenn Männer im Publikum sitzen. Tavakolian wollte ihnen trotzdem Gehör verschaffen, mit fiktiven CD-Cover-Bildern. Doch es war nicht einfach, die Frauen zu dem Projekt zu überreden. Zu groß war die Angst vor Repressalien.
“In einem Land wie dem Iran erfasst die Politik jeden Bereich des Lebens. Auch in meiner Arbeit geht es zwangsläufig um Politik. Ich zensiere mich selbst, weil ich meine Bilder im Iran zeigen möchte. Das ist wichtig für mich, dort bekomme ich die besten Reaktionen und die beste Kritik, denn wir sprechen dieselbe Sprache, wir leben im selben Land, es ist ihnen vertraut. Die Leute sagen nicht: ‘Ach, die armen iranischen Frauen!’ Sie sind sehr kritisch und scharfsinnig. Ich zeige meine Arbeit lieber im Iran, als im Ausland.”
“Listen” heißt das Fotoprojekt, “Hör zu!” Der stumme Schrei iranischer Sängerinnen, die sich den Mund dennoch nicht verbieten lassen.