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Prozessauftakt: Späte Aufarbeitung in Argentinien

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Prozessauftakt: Späte Aufarbeitung in Argentinien

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Es ist ein Prozess, der in Argentinien bereits jetzt große Wellen schlägt: Vor Gericht müssen sich seit diesem Mittwoch acht Piloten verantworten, die während der Militärdiktatur Gefangene aus Flugzeugen geworfen haben sollen. Wieviele Menschen bei den Todesflügen ums Leben kamen, ist unklar.

Für die Menschenrechtlerin Taty Almeida der Gruppe Madres de la Plaza de Mayo ist es ein historischer Moment: “Dieser Tag muss gefeiert werden, denn da wir Mütter, Großmütter, Angehörige und Väter schon älter sind, dachten wir, wir würden diesen Tag nicht mehr erleben.”

Vor Gericht stehen 60 weitere Angeklagte – wie Alfredo Astiz – für ihre Rolle im Folterzentrum ESMA, der Technikschule der Marine. Zwischen 1976 und ’83 verschleppte das argentinische Militär Zehntausende Menschen. Nur 200 von ihnen überlebten.

Beweise für die Todesflüge gab es erst, als eine Journalistin eine der Maschinen aufspürte und den Flugschreiber auswerten ließ.

Ein Todespilot, Adolfo Scilingo, erinnert sich: “Das waren betäubte Menschen. Ob man das jemals überwindet, keine Ahnung. Die, die wir herausgeworfen haben, waren menschliche Wesen.”

Es ist der dritte und größte Prozess gegen die Vollstrecker der Militärdiktatur, die noch bis 2003 von einem Amnestie-Gesetz profitierten. An ihre Opfer erinnern Gedenktafeln und die Madres de la Plaza de Mayo.