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Griechenlands Tanz gegen die Krise: "Wir geben nicht auf"

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Griechenlands Tanz gegen die Krise: "Wir geben nicht auf"

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Sie sind jung, ehrgeizig und ganz schön nervös. Die jungen Ballett-Tänzer und -Tänzerinnen, die sich an der Griechischen Nationaloper für das sogenannte “Dancebox Project” bewerben. Das ganze ist eine Zweijahres-Initiative, die von Balett-Leiter Renato Zanellas Wunsch getrieben ist, jungen Tänzern in Krisenzeiten zu helfen, auf dem Jobmarkt Fuß zu fassen.

Seit September 2011 ist der italienische Choreograph Zanella Leiter des Nationalballetts. Zuvor war er zehn Jahre an der Wiener Staatsoper.

Renato Zanella: “Ich habe hier die Möglichkeit, einer neuen Generation Hoffnung und Hilfe zu geben in einem Land, das es meiner Ansicht nach nicht verdient, so zu leiden, wie es derzeit der Fall ist.”

Die Ballett-Lehrer und Zanellas internationale Kollegen werden die 11 jungen Tänzer, die für das Projekt ausgewählt werden, gratis unterrichten.

Die Tänzerin Marina Kourti: “Die Lage ist sehr, sehr schwierig, denn nur sehr wenige Einrichtungen können es sich leisten, Künstler einzustellen. Wir versuchen es alle bei der Nationaloper oder beim staatlichen Tanztheater, aber gerade das hat Probleme und zeigt derzeit überhaupt keine Aufführungen. Auch hier sind die Türen zwar dicht, aber wir harren aus, wir geben nicht auf.”

Die Kunstwelt wurde von der Krise hart getroffen. Das Budget des Kultusministeriums wurde 2011 um 35 Prozent gekürzt. Die Folgen bei Theatern: Kosten wurden gesenkt, Verträge nicht verlängert, die Belegschaften reduziert.

Emilia Gaspari, Vortänzerin im griechischen Nationalballett: “Von dem Gehalt, das sie uns dem Vernehmen nach zahlen werden, kann man nicht leben. Wir werden nicht anständig leben können, wie jeder andere. Und die Unzufriedenheit der anderen steckt einen an. Aber mich als Künstlerin kann das nicht unterkriegen, ich habe eine Aufgabe zu erfüllen.”

Die Nationaloper konnte ihren Schuldenberg von 17 auf rund 7 Millionen Euro verkleinern. Doch das könnte noch lange nicht genug sein.

Renato Zanella: “In dieser Zeit der Krise wird die Kunst immer wichtiger. Die Menschen fühlen sich dem Theater, dem Ballett, der Musik näher, sie fühlen, dass sie diese Art moralischer Herausforderung brauchen.”

Um weiter Publikum anzulocken, hat das Ballett sein Repertoire erweitert, die Ticketpreise reduziert und Werbeauftritte an Orten wie der U-Bahn abgehalten. Mit Erfolg: Viele Aufführungen sind ausverkauft, darunter auch Zanellas Version vom “Nußknacker”, die am 24. November Premiere hatte.