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Leveson-Report: wie weiter mit den britischen Medien

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Leveson-Report: wie weiter mit den britischen Medien

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Den schlimmsten Mißbrauch erlebte die Mutter des entführten Mädchens Milly Dowler. Reporter hatten auf den Handy ihrer vermissten Tochter Mitteilungen gelöscht. Da war das Mädchen schon tot. Die Mutter rief immer wieder an, merkte, dass da plötzlich etwas gelöscht war und glaubte, ihr Kind sei noch am Leben. Lordrichter Leveson nahm diesen Fall als Beispiel, wieweit die illegalen Praktiken gingen. Pressezar Rupert Murdoch, dessen Reporter dafür verantwortlich waren, sah sich zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen. Das reichte aber nicht. Sein Skandalblatt “News of the World”, dessen Reporter mit dieser und vielen ähnlichen Taten gegen Gesetze verstoßen hatten, musste eingestellt werden. Prominente Briten vom Schauspieler Hugh Grant bis zur Harry-Potter-Autorin Rowling traten vor dem Untersuchungsausschuß als Zeugen auf.
Legten dar, wie sie selbst illegal bespitzelt und bedroht wurden von Reportern der Skandalblätter.
Lordrichter Leveson lud auch die Eltern der in Portugal verschwundenen kleinen Madeleine McCann an, deren Tagebuchaufzeichnungen auf illegale Weise in eine Zeitung gelangt waren.
Mutter Kate beschrieb, wie tief es sie verletzte, dass ihre intimsten Ängste so öffentlich ausgebreitet wurden. Auch Spitzenpolitiker bis hin zum Premierminister David Cameron mussten aussagen über ihre Beziehungen zu Medienbossen.
Zu Rebekah Brooks zum Beispiel, der mächtigen Dame an der Spitze von Murdochs britischem Imperium. Lordrichter Leveson schlägt eine Neuorganisierung der freiwilligen Selbstkontrolle der Medien vor, die aber mit dem Gesetz in der Hinterhand. Nick Robinson von der BBC, betont, Großbritannien werde seine Pressefreiheit behalten.
Er ist sich sicher, dass es nicht auf Zensur hinauslaufe, auf keinen Fall werde es eine staatliche Zensur geben. Dafür trete kein führender Politiker ein. Die Frage sei vielmehr, wie künftig die freiwillige Selbstkontrolle der Medien zu organisieren sei, ob sie möglicherweise durch gesetzliche Befugnisse zu stärken sei.
Bob Satchwell, von der Vereinigung der Zeitungsverleger sagt, dass der gute Journalismus immer noch den schlechten überwiege. Er sagt:
“Was wirklich auf dem Spiel steht, ist, dass es der Presse überlassen sein muss, jene fünf Millionen Stories zu bringen, die tatsächen helfen, die Freiheit der Öffentlichkeit auf die eine oder andere Weise zu schützen. Mit denen gegen Ungerechtigkeit gekämpft wird zum Wohle der kleinen Leute.”
Mißbrauch muss mit allen Mitteln bekämpft werden, damit die Presse ihre Aufgabe als vierte Macht im demokratischen Staat erfüllen kann.