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25. Europäischer Filmpreis: Haneke triumphiert

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25. Europäischer Filmpreis: Haneke triumphiert

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Die Glocke schlug zur Verleihung der 25. Europäischen Filmpreise auf Malta. 1988 erschaffen, um das europäische Kino zu stärken, steht der Preis nach wie vor im Schatten Hollywoods. Dennoch habe sich in 25 Jahren viel getan, glaubt einer der Gründungsväter, der deutsche Regisseur und Präsident der Europäischen Filmakademie (EFA) Wim Wenders. “Ich habe jeden Preis mitgemacht, da fragt man sich, eigentlich irre, dass es das immer noch gibt. Als wir das angefangen haben, war das so naiv und klein, aber jetzt ist es eigentlich eine ziemlich große Kiste geworden.”
“Wir feiern Filme Made in Europe,” so der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen. “Wir sollten das sogar zweimal im Jahr tun. Es gibt eine enorme Vielfalt in den Filmen aus europäischen Ländern. Das müssen wir erhalten, um uns gegenseitig zu inspirieren.”
Der große Sieger des Abends war erwartungsgemäß der Österreicher Micheal Haneke. Sein bereits mit der Goldenen Palme von Cannes gekrönter Film “Amour” (“Liebe”) wurde gleich viermal ausgezeichnet, in den Kategorien Bester Film und Beste Regie. Auch die Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva wurden geehrt.
Drei Jahre nach dem großen Erfolg von “Das weiße Band” beim Europäischen Filmpreis war Hanekes jüngster Film mit insgesamt 6 Nominierungen der haushohe Favorit.
Das Drama über ein altes Ehepaar, dass mit dem Tod konfrontiert wird, basiert auf ähnlichen Geschehnissen in Hanekes Verwandtenkreis. Es sei aber kein autobiografischer Film, wie der Regisseur immer wieder unterstreicht.
“Ich glaube, in jedem Film von jedem Autor werden Sie autobiografische Momente finden. Das ist ja auch legitim, man muss ja auch Fantasie, seine Inspiration, von irgendwo herholen. Aber ich hasse autobiografische Filme, die sie mit ihrem eigenen Seelenschmerz veröffentlichen. Da sind natürlich Details da drinnen aus persönlicher Erfahrung, aber ich würde den Film nicht als autobiografische Geschichte ansehen. “
Die Teilnehmer der anschließenden Filmpreisparty hatten allen Grund zum Tanz. Das europäische Kino hat in den vergangen zwei Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Den europäischen Filmpreisträgern winken mediale Aufmerksamkeit und ein flächendeckender Vertrieb. Das war vor 25 Jahren noch undenkbar.
Umso wichtiger ist der Preis für Neueinsteiger, wie den Niederländer Boudewijn Koole, ausgezeichnet als Europäische Entdeckung des Jahres. Sein Regie-Debüt “Kauwboy” handelt von einem 10-jährigen Jungen, der ein aus dem Nest gefallenes Dohlenküken aufpäppelt und in dieser Beziehung Trost sucht als Ersatz für die fehlende Fürsorge seiner Eltern.
“Man spürt hier, dass es eine europäische Filmatmosphäre gibt, eine bestimmte Art, Filme zu machen, die anderes ist, als in Asien oder Amerika, ich bin stolz, mit dabei zu “, sagte der Preisträger nach der Verleihung.
Das osteuropäische Kino war bei der diesjährigen Preisgala eher unterrepräsentiert. Dennoch schaffte es ein rumänischer Beitrag in die Siegerliste als bester europäischer Kurzfilm: “Superman, Spiderman oder Batman” von Tudor Giurgiu.
Ein kleiner Junge träumt davon, ähnlich wie seine Lieblings-Comichelden, die schwer herzkranke Mutter zu retten.
Rumänische Filmemacher genießen seit einigen Jahren internationales Ansehen. Dennoch seien die Drehbedingungen im Land kompliziert, meint Jungfilmer Tudor Giurgiu.
“Es fehlt an allen Enden und Ecken. Um so größer ist dafür das Bedürfnis, gutes Kino zu machen. Wir haben großartige Autoren, die sich an wahren Geschichten inspirieren aus dem heutigen Rumänien.”
Auf den zahlreichen Treffen und Gesprächsrunden im Rahmen der Preisverleihung wurde in diesem Jahr über das Erreichte diskutiert, aber die Zukunft: die nächsten 25 Jahre der europäischen Filmakademie.
Sebastian Saam, euronews: “Vier Preise für “Amour” von Michael Haneke sowie ein klares Bekenntnis von Schauspielern, Regisseuren und Produzenten für den europäischen Film – gerade auch in Zeiten wie diesen. Das ist das Signal, das vom 25. Europäischen Filmpreis ausgeht, auch in Hinblick auf das kommende Vierteljahrhundert Kino in Europa.”