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FARC-Rebellen lehnen Zeitplan für Frieden ab

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FARC-Rebellen lehnen Zeitplan für Frieden ab

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Die Verhandlungsbemühungen zwischen der kolumbianischen Regierung und den FARC-Rebellen haben einen Dämpfer erhalten. Weil die kolumbianische Regierung weiter mit Waffengewalt vorgegangen sei, so ein Sprecher der marxistisch ausgerichteten FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, werde man sich nicht an den vorgegebenen Zeitplan für einen Frieden halten. Marco Leon Calarca, Verhandlungsführer der Rebellen, sagte, die FARC seien nicht schwach. Man lasse sich nicht von der Regierung in Bogota und ihren von den USA unterstützten Angriffen in die Knie zwingen. An Zeitvorgaben für einen Frieden würden sich die FARC nicht halten. “Schließlich brauchen wir keine Wahlen gewinnen”, fügte er hinzu.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos hatte erklärt, er erwarte, dass in einem Jahr ein Friedensabkommen zustande gekommen sei. Andernfalls werde er Gespräche mit den FARC-Rebellen abbrechen. Vor wenigen Tagen hatten Regierungssoldaten ein Lager der FARC im Dschungel an der Grenze zu Ecuador angegriffen und zwanzig FARC-Rebellen getötet. Im Moment soll es nach Angaben der FARC noch 9000 FARC-Kämpfer in Kolumbien geben.

Bei den Friedensgesprächen, die in der kubanischen Hauptstadt Havanna stattfinden (es sind die ersten seit zehn Jahren), hatten die FARC im November eine einseitige Waffenruhe von zwei Monaten verkündet. Wenige Tage danach warf
Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzon der FARC vor, sich nicht an ihr Versprechen zu halten. Die Rebellen hätten “Sprengstoffanschläge auf Stromleitungen” verübt und auch sonst die öffentliche Ordnung gefährdet.

In dem seit fast 50 Jahren währenden Konflikt wurden in Kolumbien Schätzungen zufolge bisher 600.000 Menschen getötet. Nach UN-Angaben wurden zudem vier Millionen Menschen vertrieben. Drei vorherige Versuche, Frieden zu schließen, waren gescheitert. Die FARC halten immer noch wahrscheinlich mehrere hundert Menschen als Geiseln gefangen. Wieviele genau es sind, ist nicht bekannt. In den vergangenen Jahren hielt sich die Organisation neben Entführungen und Erpressungen auch mit Drogenhandel finanziell über Wasser. Es wird ebenfalls davon berichtet, dass die FARC Kindersoldaten in ihren Reihen zwangsverpflichtet hätten.