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Börsen reagieren empfindlich auf Italien-Turbulenzen

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Börsen reagieren empfindlich auf Italien-Turbulenzen

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Die italienische Regierungskrise hat den Börsen in ganz Europa und auch jenseits des Atlantik zu schaffen gemacht. Mit Regierungschef Mario Monti kündigte ausgerechnet jener Mann seinen Rücktritt an, der dem Land wieder etwas Stabilität gegeben hatte. Zuletzt waren die Renditen für italienische Staatsanleihen deutlich zurückgegangen, es schien, als habe das Land das Schlimmste überstanden.

Nun jedoch reagierten die Märkte nervös. Bankenwerte verloren fast überall an Boden; italienische Aktien und Staatsanleihen gerieten deutlich unter Druck. Die Rendite für zehnjährige italienische Bonds stieg auf 4,8 Prozent, ein Plus von 0,3 Prozentpunkten, der italienische Leitindex fiel deutlich zurück. Euronews hat mit dem italienischen Experten Tito Boeri über die derzeitige Lage gesprochen.

euronews:
Erwartungsgemäß hat die Ankündigung des Rücktritts von Regierungschef Mario Monti die Märkte weltweit erstarren lassen. Die Renditen für zehnjährige italienische Anleihen schossen umgehend nach oben. Ist Italien ins Zentrum der Eurokrise zurückgekehrt?

Tito Boeri:
Man macht sich Sorgen um eine Regierung, die eine Neustrukturierung des Arbeitsmarkts vorgenommen und die die Glaubwürdigkeit Italiens in der internationalen Gemeinschaft und der Finanzwelt wieder hergestellt hat. Jetzt ist Italien in einer schwierigen Situation. Monti hat seinen Rücktritt angekündigt und es gibt daher viele Unsicherheiten bezüglich der Zukunft. Aber ich bin trotzdem optimistisch für Italien.

euronews:
Die Ratinagenturen gehen davon aus, dass es im nächsten italienischen Parlament keine klare Mehrheit geben wird. Wird es unmöglich sein, die Sparmaßnahmen fortzusetzen, die Monti in den letzten 14 Monaten begonnen hat?

Tito Boeri:
Wahrscheinlich werden die Wahlen nach dem alten Wahlrecht abgehalten. Es ist kein gutes Wahlrecht. Aber wenn es keine Überraschungen gibt, wird die Mitte-Links-Koalition mit einer neuen Partei, die sich aus Unterstützern von Mario Monti zusammensetzt, erfolgreich sein. Diese Koalition könnte die neue Regierung positiv beeinflussen und dafür sorgen, dass die Reformagenda fortgesetzt wird.

euronews:
Monti hat seinen Rücktritt ausgerechnet in Cannes angekündigt, also in der französischen Hafenstadt, in der beim G8-Gipfel Merkel und Sarkozy die Regierung Berlusconi kritisierten. Was wird die EU jetzt tun?

Tito Boeri:
Ich denke, Europa beobachtet die Lage mit wachsender Beunruhigung. Trotzdem ist diese Zuspitzung der Krise auch in gewisser Weise positiv, denn das bedeutet, dass der Wahlkampf kürzer sein wird. Die Wahlen sollen schon im Februar abgehalten werden, damit haben wir Anfang März eine neue Regierung. Eine Regierung, die vom Willen der Wähler gestützt wird und daher in der Lage ist, noch schwierigere Entscheidungen zu treffen. Ich denke, die Italiener wissen, wer für die Krise verantwortlich ist, und sie werden dieses Mal nicht auf Populismus und Versprechungen hereinfallen.

euronews:
Diese Woche wird die Eurogruppe die letzte Kredittranche für Griechenland freigeben. Wird Italien das nächste Griechenland in der Eurozone?

Tito Boeri:
Wir waren schon nahe daran, das nächste Griechenland zu werden. Glücklicherweise hat ein Jahr mit der Regierung Mario Monti das geändert und heute wird Italien in der Welt anders wahrgenommen. Derzeit erleben wir gerade eine kleine Unruhe, aber ich glaube, dass das Bild Italiens sich wirklich verändert hat und daher denke ich, wir sind glücklicherweise weit genug vom Abgrund entfernt.