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Armut greift auch in den stärksten Euro-Staaten um sich

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Armut greift auch in den stärksten Euro-Staaten um sich

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Armut ist in vielen Ländern Europas eine traurige Tatsache. Auch in den stärksten Staaten der Eurozone gibt es eine beträchtliche Zahl armer Menschen. Und es werden immer mehr.

Am Dienstag dieser Woche nahm der französische Regierungschef Jean-Marc Ayrault in Paris an einer Armutskonferenz teil. Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Eurozone hat sich den Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung groß auf die Fahne geschrieben. Am 22. Januar will die sozialistische Regierung ihr Anti-Armuts-Programm präsentieren. Ayrault will dafür 2,5 Milliarden Euro bereitstellen.

Laut dem französischen Statistikinstitut INSEE waren 2010 8,6 Millionen Menschen in dem Land arm. Das entspricht rund 14 Prozent der Gesamtbevölkerung. Als arm gilt, wer als Alleinstehender höchstens 964 Euro im Monat zur Verfügung hat.

Ayrault will im kommenden Jahr die Sozialleistungen für die Ärmsten erhöhen und 8000 weitere Plätze in Obdachlosenheimen schaffen. Mehr Menschen sollen krankenversichert werden, außerdem plant die Regierung Hilfsmaßnahmen, um private Haushalte vor einer Überschuldung zu bewahren. Doch es ist fraglich, ob diese Schritte ausreichen. Immerhin rechnet selbst die Regierung vorerst mit einem weiteren Anstieg der Armut.

Auch in Italien, der drittgrößten Wirtschaft der Eurozone, sind die Zahlen des Statistikamtes alarmierend: So ist die Zahl armer oder armutsgefährdeter Menschen von 2010 auf 2011 um 3,8 Prozent gestiegen. Um die 16 Prozent lebten unter der Armutsgrenze. Zusammen mit jenen, die drohen, in die Armut abzurutschen, steigt diese Zahl auf fast 30 Prozent. Als Armutsgrenze galten in Italien vergangenes Jahr 707 Euro für Alleinstehende.

Kritiker geben der Technokratenregierung von Mario Monti mit ihrem Sparkurs die Schuld daran, dass die Wirtschaft in den vergangenen 13 Monaten geschrumpft ist. Auch die Arbeitslosigkeit stieg auf gut 11 Prozent, gleichzeitig sank der Konsum.

Im Gegensatz zu Italien steht Deutschland gut da, die Regierung hat dem Volk bislang keinen Sparkurs verordnet und dennoch steigt auch hier die Armut. Laut dem deutschen Statistikinstitut waren 2011 15,8 Prozent der Deutschen armutsgefährdet. Arm oder sozial ausgegrenzt waren sogar fast 20 Prozent. In Deutschland gilt derzeit als arm, wer weniger als 940 Euro monatlich zur Verfügung hat – Sozialleistungen inbegriffen.