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Iranische Oppositionelle mit Sacharow-Preis ausgezeichnet

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Iranische Oppositionelle mit Sacharow-Preis ausgezeichnet

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Zwei Oppositionelle aus dem Iran sind mit dem Sacharow-Preis des Europaparlaments geehrt worden: Die in Teheran inhaftierte Anwältin Nasrin Sotudeh und der unter Hausarrest stehende Filmemacher Jafar Panahi. Parlamentspräsident Martin Schulz sagte bei dem Festakt in Straßburg:
“Mit dem Sacharow-Preis 2012 würdigt das Europäische Parlament die außergewöhnlichen Anstregungen, die von Frau Sotudeh und Herrn Panahi im Kampf für die Menschenwürde, für die Grundrechte und für den politischen Wandel im Iran unternommen wurden.” An der Stelle der beiden Oppositionellen sprachen die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi und der griechische Filmregisseur Constantin Costa-Gavras. “Die beiden leer gebliebenen Stühle machen deutlich, wie das Regime der Islamischen Republik Iran mit seinen Bürgern umgeht. Seit mehr als dreißig Jahren ist es ein Regime der Unterdrückung”, sagte Ebadi. Die Anwältin Sotudeh verteidigte viele verhaftete Regimekritiker, bis sie selbst 2010 wegen angeblicher Propaganda zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Für Sotudeh wie auch für Panahi gilt zudem ein Berufsverbot.

Kann sich der Sacharow-Preis auf die Lage im Iran auswirken? Wirkt er sich auf die Beziehungen zwischen Teheran und der EU aus? Euronews befragte dazu mehrere Personen, darunter Karim Lahidji von der iranischen Liga zur Verteidigung der Menschenrechte. “Es ist eine Solidaritätsbekundung des Europaparlaments als Vertreter der Völker Europas für das iranische Volk. Dieses hatte bereits 2009 versucht, der Demokratie wieder zu ihrem Recht zu verhelfen”, so Lahidji. “Wie Sie wissen, sind die Massendemonstrationen niedergeschlagen worden, hunderte politische Gegner des Regimes sind bis heute in Haft. Diese Botschaft der Solidarität ist zugleich ein Zeichen der Anerkennung für den Freiheitskampf und für den Kampf für Menschenrechte im Iran.”

Die grüne Europaabgeordnete Tarja Cronberg aus Finnland ist davon überzeugt, dass der Preis das Regime in Teheran unter Druck setzt und Dinge möglich macht, die vorher nicht möglich gewesen wären: “Mit einem Hungerstreik forderte die Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh ein Ende der Untersuchungen gegen ihre Tochter sowie Reisefreiheit für ihr Kind. Die iranischen Behörden stimmten schließlich zu und Sotoudeh beendete ihren Streik.” Der französische Filmemacher Constantin Costa-Gavras ist vor allem froh darüber, dass sein iranischer Kollege Jafar Panahi mit dem Sacharow-Preis ausgezeichnet wurde: “Der Preis entspricht seiner derzeitigen Lage, doch er gebührt auch seiner Begabung. Vielleicht bewirkt der Preis, dass Panahi von seiner Regierung etwas mehr geachtet wird, denn er wurde zu sechs Jahren Haft und zu einem zwanzigjährigen Berufsverbot verurteilt. Er darf keine Filme machen, nicht schreiben, mit Journalisten und mit den Medien nicht in Kontakt treten. Jeden Tag könnte ein Polizist bei ihm auftauchen und ihn ins Gefängnis bringen, denn das Urteil ist noch nicht vollzogen worden. Der Sacharow-Preis wirft nun ein Schlaglicht auf diesen Fall, er rückt ihn ins Licht der Welt oder zumindest Europas. Ich denke, dass ihm das sehr helfen wird!”