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Quo vadis - Weltradsportverband UCI?

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Quo vadis - Weltradsportverband UCI?

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euronews
Als Präsident des Weltradsportverbandes UCI trägt Pat McQuaid Verantwortung für die dunkelsten Tage dieser Sportart. Der auskunftsfreudige Ire muss den Radsport in eine neue Ära, führen, weg von all dem Betrug. McQuaid hat reichlich Kritiker, die ihn loswerden wollen. Am Hauptsitz des Verbandes in der Schweiz denkt er über die Schäden nach, die der Name Lance Armstrong dem Sport zugefügt hat.

Pat McQuaid:
Es bleibt abzuwarten, ob dieser Name den Sport weiterhin verfolgen wird. Der Name, mit dem wir uns seite Monaten und Jahren beschäftigen müssen. Wie Sie wissen, haben wir eine Menge zu lesen, und eine Menge anzuhören. Wir haben viele Fans angehört und nach allem, was passiert ist, haben wir entscheidende Maßnahmen ergriffen.
Wir haben eine unabhängige Kommission geschaffen, um zu untersuchen, was die UCI während der Lance-Armstrong-Epoche getan und was sie unterlassen hat, welche Fehler gemacht wurden. Darüber wird die Kommission der UCI Bericht erstatten. Mit Blick auf die Zukunft führen wir Gespräche mit Interessengruppen. Wir sprechen mit den Akteuren und ich habe keinen Zweifel, das wird zu einem sehr positiven Ergebnis führen. Der Punkt ist, die meisten Leute gehen davon aus, dass es in jedem Bereich der Gesellschaft Betrug gibt. Betrug in der Religion, Betrug im Geschäft, Betrug in der Politik – und eben auch Betrug im Sport. Und die UCI leidet unter dem Betrug durch Doping.
Das müssen und das wollen wir beseitigen, daran arbeiten wir ständig .

euronews Paul McDowell:
Sie wollen die Globalisierung des Sports.
Einerseits wollten Sie die Anzahl der Renntage bei zwei der größten Rennen in Europa verringern, beim Giro d’Italia und bei der Vuelta in Spanien, um andererseits weltweit mehr Rennen veanstalten zu können. Und dabei wollen Sie mehr Sponsoren gewinnen. Wären das nicht ideale Bedingungen für viele, um durch Betrug ein Stück vom Kuchen abzubekommen?

Pat McQuaid:
Nun, offensichtlich gibt es überall im Sport, wo es um viel Geld geht, auch die Versuchung zu betrügen. Es ist unsere Aufgabe, den Betrug zu kontrollieren und zu überwachen. Zu diesem Zweck haben wir als erste Maßnahme einen biologischen Pass eingeführt und eine Blutbank.
Wir haben Spritzen im Sport verboten, in den Teams werden keine Spritzen erlaubt. Wir haben eine Regel eingeführt, wonach seit 2011 ein Athlet, der wegen Dopings verurteilt wurde, nie wieder in diesem Sport antreten darf.

euronews:
Und funktioniert das?

Pat McQuaid:
Ich kann nicht sagen, ob es funktioniert. Aber was ich sagen kann – es ist viel weniger geworden als in der Zeit von Lance Armstrong. Vieles, was sein Team getan hat, wäre heute nicht mehr möglich.

euronews
Die Öffentlichkeit glaubt, dass der Sport schon immer auf einem Auge blind war.

Pat McQuaid
Die unabhängige Kommission wird zeigen, ob wir noch auf einem Auge blind sind. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir jetzt mit beiden Augen genau hinsehen. Und dann war auch die Wissenschaft noch nicht in der Lage, alles zu erkennen. Nicht nur die UCI hat Armstrong und sein Team gestestet, auch die WADA, auch USADA und in Frankreich AFLD und in Italien CONI. Als er in Italien getestet wurde, war das Ergebnis negativ.
Das System war nicht stark genug, und das System hat uns im Stich gelassen. Wir haben eine Strategie, um diese Kultur zu ändern. Geändert werden müssen eine ganze Menge von Aspekten. Bei Rennfahrern und bei ihrem Gefolge.
Dazu gehört auch, dass nicht mehr wie bisher üblich, ein des Dopings überführter Sportler nach Ende der Sperre wieder mitmachen kann, als sei nicht gewesen.

euronews:
Ist durch den Armstrong-Skandal auch der Ruf ihrer Präsidentschaft beschädigt worden?

Pat McQuaid:.
Nein, das denke ich nicht. Ich habe so viele
E-Mails, Anrufe und Briefe der Unterstützung von den Präsidenten der nationalen Verbände erhalten, von verschiedenen Interessengruppen. Meine drei Vizepräsidenten haben mir gesagt, ich solle nicht auf jene hören, die mich zum Rücktritt drängen wollen. Es gibt viel Arbeit und ich solle bleiben.

euronews:
Aber es ist doch Ihre Entscheidung, zu gehen oder zu bleiben!!! Sie haben die Macht dazu!

Pat McQuaid:
Sicher, natürlich werde ich entscheiden, ob und wann ich gehe. Aber wie ich schon oft gesagt habe, ich habe 2005 das Amt ders Präsidenten übernommen und mir dabei zwei Ziele gestellt:
die Globalisierung des Sports und die Befreiung des Sport von der Geißel Doping. Bisher habe ich weder das eine noch das andere erreicht. Also werde ich bleiben, bis ich es erreicht habe.

euronews:
Wenn über Ihre Nachfolge gesprochen wird, fällt der Name Greg LeMond. Sie aber sind entschlossen, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren?

Pat McQuaid:
Ich bin dazu entschlossen. Was hat denn Greg LeMond in den letzten 25 Jahren für den Radsport getan? Er hat ihn nur immer von außen kritisiert.
ich habe auch gehört, dass Paul Kimmage gesagt haben soll, dieses Gerede um Greg LeMond sei nur ein Werbegag seiner Gruppe, die sich “Change Cycling now” nennt, also “Jetzt den Radsport verändern.” Ich meine, dies ist nicht die Zeit für PR-Gags, dies ist die Zeit zum Handeln und für Zusammenarbeit. Wenn jemand wie Greg von mir als von einem “Interims-Präsidenten” spricht, dann ist das nur extrem arrogant.

euronews:
Wenn Sie zurückdenken an ihre Zeit als aktiver Rennfahrer, wie würden sie das alles bewerten, was in ihrem Sport seither geschehen ist?

Pat McQuaid:
Ich wäre sehr, sehr verärgert, sehr wütend auf die Leute, die daran beteiligt waren und sind, auch auf Leute wie mich, die es nicht verhindert haben.

euronews:
Die kleinen Verbänden der Amateure bestehen aus Leute, die am Wochenende raus wollen, guten Sport treiben. Wie können Sie denen noch in die Augen sehen?

Pat McQuaid:
Die sind das Fundament. Aber seien wir nicht naiv.
Auch Amateure, die Wochenendradler, nehmen heute Dopingmittel. Aus welchem ​​Grund auch immer. Ich denke, es gibt Profis, die den Sport lieben genauso wie es viele Amateure tun.

euronews:
Was läuft im Amateursport?

Pat McQuaid:.
Ich denke, es waren auch Amateure in Doping verstrickt. Es hat bei den Junioren angefangen und wir haben Jugendliche überführt auch in der Altersklasse unter 23. Ich meine, es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen dopen.
Bei den U23 kann es sein, um überhaupt erst einmal einen Profivertrag zu bekommen.
Und dann geht es auf die professionelle Art von Betrug weiter. Der Möglichkeiten dazu gibt es viele.
Es ist nicht nur eine Frage der Prävention, ist es nicht nur eine Frage der Prüfung und der Tests. Es geht um die Schaffung des richtigen Umfelds von Anfang an. Die UCI ist stark an der Erziehung beteiligt, auch nationale Verbände, aber ich meine, Betrüger finden wir in jeder Altersklasse.

euronews:
Wenn also schon Amateure betrügen, welche Hoffnung auf Besserung haben Sie dann noch?

Pat McQuaid:
Das ist Teil der Konsultationen mit den Akteuren, bei denen viel Zeit darauf verwendet wird. Es werden auch Gespräche mit nationalen Verbänden geführt, die immer noch meinen, Doping gäbe es nur bei Profis und es sei nur ein Problem des Weltverbandes, das sie nichts angehe. Darüber diskutieren wir.

euronews:
Schauen wir auf die letzten vier Jahre. Da gab es Gerichtsverfahren, es gab falsche Anschuldigungen und viele Gerüchte. Können Sie da etwas ändern? Können Sie die streitenden Fraktionen zusammenbringen?

Pat McQuaid:
Das würde ich hoffen. Aber die Leute müssen verstehen, dass die UCI nunmal so ist. Die UCI kann ihre Fehler haben, aber die ist der einzige Weg für diese Sportart. Akteure und die UCI müssen zusammenarbeiten, um den Radsport nach vorne zu bringen. Einige Leute machen Vorschläge, die weit von der Realität entfernt sind. Es ist der beste Weg für alle, zusammen zu arbeiten und nicht die UCI durch etwas anderes ersetzen zu wollen. Man muss sie für ihre Fehler kritisieren, muss sie loben für gute Entscheidungen, ihr helfen, wenn sie Hilfe braucht. Nur so können wir im Sport etwas vorwärts bewegen, wenn alle zusammen arbeiten und ich denke, wir sind gerade dabei, das zu tun.