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Newtown - die Stadt aus Tränen und Mut

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Newtown - die Stadt aus Tränen und Mut

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Sind wirklich erst 3 Tage vergangen seit jenen tödlichen Minuten? Den Überlebenden in der Kleinstadt Newtown mag die Zeit seither wie eine Ewigkeit erscheinen. Die Polizei ermittelt noch.
Ärzte sorgen sich um die Wunden an verletzten Körpern, Psychologen um jene in den vielen verletzten Seelen. 20 Κinder sind tot.
Da klingt denn auch aus den Worten des Präsidenten zuerst das Gefühl eines Vaters, der aus dem Evangelium des Matthäus Kapitel 19 zitiert:
“Aber Jesus sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes….” Dann nennt Barack Obama Namen von toten Kinder: Charlotte, Daniel, Olivia, Josephine, Anna, Dylan, Madeline, Catherine, Chase, Jesse, James, Grace, Emily, Jack, Noah, Caroline, Jessica, Benjamin, Avielle, Allison.
20 Kinder werden in Newtown beweint. Dazu
6 Frauen, die alles gaben, um die ihnen anvertrauten Kinder zu schützen. Selbst ihr eigenes Leben. Dawn, die 47jährige Direktorin, und Mary, die Schul-Psychologin, versuchten sich dem Täter in den Weg zu stellen. Er schoß sie einfach nieder.
Victoria, die 27jährige Lehrerin, versteckte Kinder im Wandschrank. Als der Täter auch in ihre Klasse kam, sagte sie, die Kinder seinen beim Sport – und wurde erschossen. Ebenso wie ihre Koleginnen
Lauren, 29, Lehrerin in ersten Dienstjahr, Anne-Marie,52, Rachel, auch erst 29. Robbie Parker, der Vater von Emily spricht von seinem wundervollen Kind, dem nur 6 Lebensjahre vergönnt waren. Er spricht von einem Mädchen, das jeden Raum, den es betrat, heller werden ließ. Das so gern Freundlichkeit verteilte. Dann sagt er: “Es ist ein Segen für mich, ihr Vater zu sein.”
Der kleine Sam gehört zu den Glücklichen, die von einer mutigen, geistesgegenwärtigen Lehrerin gerettet wurden. Sie versteckte ihre Klasse in einem Toilettenraum. Sam erzählt vom Lärm und wie die Lehrerin von Tür zu Tür rannte, um alle einzusammeln, und in den Toilettenraum zu schicken. Es war die Lehrerin Kaitlin Roig. Ihre letzten Worte an die Kinder waren: “Ihr sollt wissen, ich hab´euch alle lieb”, bevor sie die Kinder ermahnte, ganz leise zu sein und so zu überleben.

Unser Korrespondent zur Situation in den USA

Jon Davies:
Unser Korrespondent Stefan Grobe ist soeben aus Newtown nach Washington zurückgekehrt. Stefan, wie ist es ihnen persönlich bei ihrem Besuch gegangen?

Stefan:
Es war schrecklich! Es war entsetzlich, all den Menschen zu begegnen, den Familien der Opfer. Und die Menschen zu treffen, die dort leben und die jetzt mit dieser neuen Situation fertig werden müssen. Das war ziemlich hart.

Jon Davies:
Wie ist Präsident Obama ihrer Meinung nach mit der Situation umgegangen?

Stefan:
Ich finde, er hat gestern eine großartige Rede gehalten. Das war so etwas wie Obamas Gettysburg…weißt du, diese bekannte Rede, die Abraham Lincoln während des Bürgerkriegs gehalten hat….und er steht nun im Mittelpunkt einer nationalen Debatte, die nur wenige Stunden nach dem Amoklauf begonnen hat. Die Frage ist, wie werden die Amerikaner mit dieser Situation umgehen? Interessant ist, dass die Amerikaner sich in den letzten 20 Jahren immer weniger für strengere Waffengesetze eingesetzt haben. 1990 haben sich acht von 10 Amerikanern für strengere Waffengesetze ausgesprochen. 2010 waren es weniger als vier von 10.

Jon Davies:
Für Europäer ist es oft schwierig, das Verhältnis der Amerikaner zu Waffen zu verstehen. Hier sagen die Menschen: Wenn solch eine Gräueltat geschieht, und davon gab es ja viele, warum wollen die Amerikaner ihre Waffen dann immer noch behalten?

Stefan:
Tja Jon, das ist etwas, das tief in der Lebenswelt der Amerikaner verankert ist. Und das fußt auf dem zweiten Verfassungszusatz. Diese Verfassung wurde 1791 eingeführt. Der Oberste Gerichtshof in den USA hat das immer wieder bestätigt, indem er erklärt hat, dass dieses Recht des Einzelnen auf den Besitz einer Waffe dem eigenen Schutz dient.

Hier noch eine andere Zahl, die interessant ist: 2012 haben sich mehr als 16 Millionen Amerikaner für den Besitz einer Waffe registriert. Das ist ein Rekord. Und nach jedem Amoklauf gibt es die Tendenz, dass die Amerikaner in die Waffenläden stürmen und sich für eine Waffe registrieren lassen, weil sie sich unsicher fühlen. Ich denke, die Debatte über Waffen wird dieses Land wahrscheinlich für die nächsten Jahre beschäftigen. Und ich denke Obama wird dieses Thema zum Grundpfeiler seiner zweiten Amtszeit machen.